Donnerstag, 16. Juni 2011

Weiter, immer weiter

Hallo zu Hause!

Innsbruck und der Jakobsdom kann mich nicht aufhalten. Ich muss, ich will weiter. Der nächste Abschnitt wartet und ich werde sehen, ob mich das angesagte Regenwetter erwartet.
Beim frühen Abmarsch ist der Himmel zwar tiefgrau, aber der nächtliche Regen hat aufgehört.
Jetzt geht es fast 8 Km entlang des Inns bis man aus Innsbruck draussen ist. Unzählige Radfahrer und Jogger bevölkern den getrennten Radweg und den Fußweg. Mit den Joggern habe ich bald ein Problem. Die ziehen ihre Spur verbissen und lassen sich nicht dazu bringen auszuweichen. Der Klügere gibt nach, obwohl ich mit meinem Rucksack und mit der Aussicht auf über 30 Geh-Km (34 sind es dann geworden) auch gerne meine Spur gehalten hätte. Nur einmal hat mein geplagtes Pilgerherz aufbegehrt, als eine Joggerin, zuerst die andere Seite nutzend, auf Konfrontationskurs mit mir geht. So ca. 150 Meter vor mir, wechselt sie (grundlos?) auf meine Seite rüber und kommt auf mich zu. Will sie was von mir? Ich schau kurz an mir runter, passt die Kleidung? Leider habe ich keinen Spiegel bei der Hand um mein Äußeres zu prüfen. Gewohnheitsgemäß fahre ich mir durch die noch ungewohnte Stoppelfrisur - auch da passt alles.
100 Meter Distanz und die Joggerin kommt immer noch geradewegs auf mich zu. Ich beruhige mich: Wenn sie mich näher sieht oder riecht, wechselt sie sicher die Seite. Nein, nur mehr 50 m. ICH weiche nicht aus! 20 Meter, ich kann ihr schon fast in ihre Augen sehen und marschiere tapfer weiter, mit einem Ausdruck im Gesicht: Das ist meine Seite - hau ab! 10 Meter, ich nehme eine Kampfhaltung ein. 5 Meter, jetzt passiert es und morgen steht in der Tiroler Zeitung: Joggerin und sturer Pilger kollidierten am Innufer. Beide Kontrahenten liegen in der Intensivabteilung der Innsbrucker Uni-Klinik. Verschulden ungeklärt. Pilger stammelt nur: "Diesmal weiche ich nicht aus."
Zwei Meter vor mir macht die Joggerin doch den retteten Schwenk und mit verbissener Miene und totbringenden Blicken zieht sie an mir vorbei. Aufatmend und mit siegesbewusster Miene marschiere ich weiter, bis ... Ihr erratet es, bis schon wieder der nächste Jogger auftaucht. Ich gebe ihm aber über die Distanz gleich zu verstehen, dass ich ausweiche. Noch so eine nervenzerreissende und gefährliche Situation kann ich mir, 2.300 Km vor meinem Ziel, nicht leisten. Aber ich gehe mit stolzerhobenen Haupt weiter - einmal habe ich mich gegen einen Jogger, der zu Unrecht meine Spur haben wollte, durchgesetzt.

Zu meinem Glück setzt sich auch das schöne Wetter durch und es wird ein wamer Tag. Überhaupt nicht so, wie es die Wetterberichte vorhersagten - danke Jakobus. Und so kann ich beschwingten Schrittes durch die Gemüsegärten Tirols bei Kematen marschieren.
Ich gehe durch eine sehr schöne Gegend des oberen Inntals. Ort für Ort reiht sich lieblich wie eine Perlenschur aneinander. Viele alte und gut renoviere Bauernhäuser mit ihren bunten Bemalungen geben sich als Fotomotive her. Ich ahne schon jetzt den Kampf beim Aussortieren und Auswählen der Fotos.
Zwei sehr liebe Wegtafeln kann ich Euch heute als Foto zur Verfügung stellen (Handyqualität).

Am Rande von Zirl verliere ich den JW. Keine Tafeln die mich weisen oder die ich finde und mein Führer trägt eher zur Verwirrung bei, als zur Hilfe. So finde ich mich schnell auf einer starkbefahrenen Bundesstraße wieder, die auch als Autobahnzubringer dient. Keine Angst, es hat keine Düdeldü-Meldung über Pilger auf der Autobahn gegeben!
Der Vorteil beim Straßengehen ist, man findet sich gleich zu recht und kommt schnell voran. Es hat nicht lange gedauert und ich konnte auf eine sehr wenig befahrene Landesstraße wechseln. Auf diesen blieb ich dann für heute auch, weil sie schnell von Ort zu Ort geführt haben. Oft konnte man drei Orte nach vorschauen. Damit ersparte ich mir auch die JW-Umwege, Schlechtmarkierungen und x-maliges Stehenbleiben und im Führer die komplizierten Weg-Erklärungen zu interpredieren.
Einige Erdbeerfelder versüßten mit ihren letzten Früchten mir den Weg.
Gegen Mittag begann es dann doch etwas zu regnen und ich flüchtete zu einer Bank unter dem Vordach einer Friedhofskapelle. Dort wollte ich den Regen abwarten und machte es mir bequem. Die Schuhe ausziehen, wie bei jeder kleinen Rast und die Füße auf die Bank. Der Rucksack diente mir als Stütze und so wollte ich Siesta halten. Wollte deshalb, weil bald vier jugendliche Mädchen auftauchten und an diesem abgelegenen Platz rauchen und trinken wollten - so sah der Platz auch aus. Ich riskierte nur ein Auge und gab damit zu verstehen, dass ist jetzt meine Bank und ich bin nicht gewillt zu weichen. Die Mädchen bleiben trotzdem und hofften, dass ich Leine ziehen werde. Falsch gedacht! Meine Füße brauchen Erholung, ich will schlafen und draussen regnet es. Zum zweiten Mal setzte ich mich heute durch. Nach 20 Minuten gaben die Mädchen auf und sie mussten das Schlachtfeld räumen und ich konnte endlich ruhen. Nach einer Stunde war der Regen vorbei und ich konnte meinen Weg zum heutigen Etappenziel Pfaffenhofen fortsetzen. Jetzt ging es vorbei an Apfel- und Kirschplantagen. Es ist eine sehr reizvolle und auch imposante Gegend. Die Berge ringsum sind beeindruckend.

Gegen Ende meiner heutigen Tour wurde das Gehen wieder mühsam. Über 30 Km gehen dann schon in die Füße. Aber beim Ankommen im Quartier, welches ich mir schon am VM reservieren konnte (20,-), musste zuerst wieder die Wäsche gewaschen werden, bevor ich mich waschen oder mich hinsetzen konnte. Ich musste mich auch wieder voll anziehen und in die Laufschuhe schlüpfen, um ca. 1 Km ins einzige GH essen zu gehen. Au weh, das Gehen mit den Laufschuhen ist fast eine Qual, aber der Magen tut noch mehr weh. Ausgezeichnete Tiroler Schlutzkrapfen (ähnlich der Kärntner Nudeln, aber mit Spinatfülle) und 2 Bier entschädigten für den schmerzhaften Weg.

Nun reicht es mir für heute und ich wünsche Euch einen schönen Abend, Morgen oder Tag, wann immer Ihr diese Zeilen lesen werdet.
Pilger Walter

Mittwoch, 15. Juni 2011

Belohnung

Liebe Freunde!

Heute habe ich Innsbruck erreicht und mir selbst eine Belohnung gemacht.
Etwa 11 Km vor Innsbruck, in Absam, bin ich aus dem Wald gekommen und hätte nun nur mehr Gehsteigwege durch einige Vororte und Außenbezirke von Innsbruck zu gehen gehabt. Da habe ich den Rat meines Outdoor-Führers angenommen und bin in den gerade einfahrenden Stadtbus gestiegen. Das war ein Genuss, die Häuser rasch an einem vorbeiziehen zu sehen und schnell war ich mitten in Innsbruck beim Hauptbahnhof, und das um 1,80 mit Seniorentarif.

Die Entscheidung mit dem Bus zu fahren, wurde mir auch leicht gemacht, denn ich musste ein günstiges Quartier suchen. Die vorher kontaktieren Jugendherbergen waren leider schon voll. Also musste ich mich auf eine Odysee gefasst machen, denn die Stadt Innsbruck ist voll Touristen und dementsprechend sind auch die Preise - unter 40,- ist da nichts zu machen und ich wollte, wenn möglich in der Nähe der Altstadt sein, damit ich die Sehenswürdigkeiten besichtigen kann. In erster Linie den Dom von Innsbruck - eine Jakobskirche.

Bei der Information hat man mir auch nicht viele Chancen für ein günstiges Quartier gemacht und mich an das etwas entlegene Kloster Wilten verwiesen. Zum Glück habe ich dort angerufen. Wegen Umbau gibt es derzeit keine Nächtigungsmöglichkeiten. Dafür hat man mir das Bildungszentrum der Barmherzigen Schwestern empfohlen (im Führer mit "über dem Pilgerniveau" beschrieben). Ein Anruf genügte und ich hatte ein Zimmer und ich bin ca. 3 Km durch die Stadt marschiert. Beim Einchecken wusste ich auch, was der Kommentar im Führer bedeutete: Das Zimmer kostet 30,- Euro, aber nur weil ich ein ausgewiesener Pilger bin, sonst wären 48,- fällig. Das ist der Innsbruck-Tarif meinte man.
Aber das Zimmer ist dafür wirklich herzeigbar, groß, modern und hell. Es könnte in jedem guten Hotel sein.

Nach einer Ruhepause, sprich Siesta, bin ich dann mit normaler Kleidung, und natürlich geduscht, in die Innenstadt "gepilgert". Das übliche Programm habe ich absolviert und Fotos gemacht, dann wurde mir der Trubel eigentlich zuviel. Es drängen sich Menschenmassen durch die engen Gassen und der Kommerzkitsch ist arg.
Ich musste mir noch um ein neues Brustumhängtascherl für Pass und Reisekasse schauen, weil das neue Tascherl von der Firma Tatonka hat in den letzten Tagen den Geist aufgegeben. Schon nach 10-11 Tagen in Gebrauch sind die verschweißten Nähte aufgegangen und zum Glück ist noch nichts herausgefallen !!!!
Ich habe gestern der Firma in Deutschland ein Mail geschrieben, wo ich den Mangel reklamiert habe und auch erwähnt, dass ich es im Sporthaus vom Kastner&Öhler in Graz erworben habe. Ich habe um Rückerstattung des Kaufpreises gebeten, weil ich mir heute in Innsbruck ein neues und besseres Brusttascherl kaufen muss.
Die Antwort kam prompt und mit abschlägigem Inhalt. Ich soll das Produkt, dort wo ich es gekauft habe, vorweisen und dann wird man die Reklamation prüfen. Sie selbst sind nur die Vertreiber, aber ihr Name steht groß am Tascherl.

Entsprechend habe ich ihnen heute eine Antwort geschreiben, was ich von so einer Vorgangsweise halte (im höflichsten Ton). Ich meinte, ob sie wirklich annehmen, dass ich das kaputte und für mich unbrauchbare Produkt noch 2.500 Km im Rucksack quer durch Europa schleppen werden, um dann mit dem Produkt extra nach Graz zu fahren, um dann vielleicht eine positive Reklamationsbearbeiteung zu bekommen.
Ich habe in dem Mail auch von meinem Online-Tagebuch geschrieben, wo ich alle schönen und positiven Ereignisse, wie auch die widrigen Umstände festhalte. Somit lesen viele Menschen die Art, wie Tatonka mit Kunden umgeht.

Und somit bin ich auch schon bei den schönen Seiten des heutigen Tages. Es war ein wunderschöner Tag, sehr warm und vor allem TROCKEN! Da machte das Weggehen richtig Spaß und auch das Fotografieren. Es gabe sehr viele Motive am Wegesrand.
Zuerst ging es einen Besinnungsweg zum Wallfahrtskirchlein Maria Laach und dann weiter nach St. Martin und St. Michael. Kleinode am Rand meines Weges. Eine große Strecke des Weges ging es meist auf guten Waldwegen. Nur einmal bekam ich einen ordentlichen Schreck. Mitten im Gehen auf einem guten Weg, bin ich auf einmal mit dem linken Fuß umgekippt. Es hat natürlich wehgetan, aber sonst ist nichts passiert. Nach ein paar hundert Metern war nichts mehr zu spüren. Das hätte mir noch gefehlt, dass ich mir den Fuß verstauche oder die Bänder reiße.

Mitten im Wald traf ich dann eine Schulklasse der Hauptschule Absams, die am Wegrand Picknick hielt. Und wie immer, wenn nette Menschen am Wegrand sind, kamen wir ins Reden und von was natürlich? Von meinem Jakobsweg. Der Lehrer machte daraus gleich eine kleine Geografiestunde und eine nette Lehrerin bot mir gleich ein Bett/Zimmer in ihrem Haus an, wie sie gehört hatte, dass die Jugendherbergen voll belegt sind. Es war nur sehr weit im Vorort von Innsbruck und morgen, bei meiner langen Etappe (ca. 32-35 Km) müsste ich noch mehr Km machen.
Ich nahm das Angebot fürs Erste auch dankend an und wollte aber doch schauen, ob ich im Zentrum von Innsbruck nicht doch was finde. Auf jeden Fall war ich beruhigt, eine Schlafmöglichkeit gibt es. Wie ich dann wohnversorgt war, konnte ich mich telefonisch bedanken und absagen. Wegen einer Konferenz, wäre die Lehrerin auch erst gehen 21h nach Hause gekommen und nur ihre Kinder wären zu Hause gewesen. Auch der Mann war auf Reisen. So wie es jetzt ist, ist es mir lieber.

Somit ist auch heute wieder ein Bericht entstanden. Leichter ging es heute, weil ich auf einem richtigen PC arbeiten konnte. So brauche ich dafür nur ein 1/3 der Zeit.
Ich schicke liebe Grüße nach Hause und überall dorthin, wo Interessierte meinen Bericht lesen.
Bis zum nächsten Mal.
Pilger Walter

Dienstag, 14. Juni 2011

Zufrieden

Liebe Begleiter im Geiste!

Mit dem heutigen Tag kann ich zufrieden sein und auch mit meiner Leistung. Ich bin in Terfens ca. 25 Km vor Innsbruck, wo ich morgen wie geplant Quartier nehmen werde. Es ist für mich selbst eine gewaltige Vorstellung zu Fuß von Leoben nach Innsbruck gegangen zu sein. Das ist ein großer Meilenstein. Der nächste wird der Arlberg sein, dann die westliche Staatsgrenze, die Durchwanderung der Schweiz usw. usw. Und in 90 Gehtagen bin ich am Ziel! Immer Schritt für Schritt, Tag für Tag und Etappe für Etappe. Ich werde nur aufpassen müssen, dass ich in meinem Gehtrott nicht über Ziel hinausgehe, denn das Gehen am Wasser (Atlantik) kann nur einer - ich nicht :-)

Der heutige Tag war ein guter Tag - Danke Jakobus.
Beim Weggehen in Rattenberg hat es noch geregnet und ich musste in voller Kampfmontur marschieren. Zum Glück war der JW bzw. Radweg am Inn leicht zu finden und da sind die ersten Km gut zu gehen gewesen. Nach einer Stunde hat es soweit aufgehört zu regnen, dass ich den Regenschutz hinten auf den Rucksack schnallen konnte.
In St. Gertraudi ließ ich mich zu einem kleinen Abstecher leiten und fand eine kleine Kirche (St. Gertraud), die eine nette Jakobsdarstellung an der Außenfassade zeigen konnte. Während einer kurzen Zehenmassagerast (Ihr wißt schon, mein spinnender "Ringzehen") kam der Messner dieser Kirche vorbei und es entspann sich ein nettes Gespräch. Er holte von zu Hause den großen Kirchenschlüssel und zeigte mir voll Stolz "seine" Kirche. Er ist zugleich ein guter Handwerker und auch Künstler, denn die Jakobsdarstellung an der Fassade stammt von ihm und vor allem eine ganz prächtige Fastenkrippe. Die sperrte er extra für mich auf. Es ist eine ca. 1m hohe und im Durchmesser 75 cm breite Metallkuppel mit Flügeltüren. Da sind in liebevoller Arbeit alle Stationen und die kleinsten in der Bibel beschriebenen Details der Passion dargestellt. Und alles wird mit Steinen aus den umliegenden historischen Bergbaugebieten umrahmt (siehe aus die Arbeiten aus Eisenerz mit den Eisenblüten). Der kleine Abstecher war es voll wert und das macht meinen Weg liebenswert.

Nur ein paar Km weiter stoße ich in Strass im Zillertal auf die erste Jakobskirche auf meinem Weg. Eine sehr schöne Kirche mit großen und bunten Fresken mit Jakobusdarstellungen.
In meinem Führer wir eine kleine und nette Wegvariante beschrieben, nämlich mit der Zillertalbahn die 4 Km bis Jenbach zu benutzen. Das hätte mir auch gefallen und ich habe beim Schalter gefragt ob ein Pilger, der bis Spanien geht, dieses kurzes Stück gratis mitfahren darf. "Das geht nicht!" war die Antwort. "Na gut, dann gehe ich!" war meine passende Antwort drauf. Es wäre nur ein netter Zug vom Zug gewesen. So ist der Zug leer nach Jenbach weiter gefahren.

Der heutige Weg war von einigen schönen Kirchenbauten gekrönt. Auch die Kirche in Jenbach (St. Wolfgang) gehhört dazu. Und dann noch die Benediktinerabtei Fiecht, auch sehr sehenswert.
Über den Weg seit Jenbach gibt es nicht viel zum Erzählen. Landschaftlich mit einigen Höhepunkten, vor allem wenn man höher oben gegangen ist und ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge schauen konnte. Grauslich war der endlose Marsch rund um eine gigantische Schottergewinnung und einer angrenzenden Betonfabrik mit viel Staub und LKW-Verkehr.

Kurz davor, in Vomp, machte ich eine kurze Rast und Trinkpause. Das sprach mich ganz interessiert ein junges (Ehe)Paar an und wir kamen über vieles Gespräch was einem bewegt auf diesem JW. Zum Schluss haben sie meine Getränke bezahlt. Das war ganz lieb und reihte sich an die anderen Pilgergaben die ich empfangen durfte und für die ich in SdC beten werde. Ich bin neugierig ob ich einen Kommentar von Euch auf meinem Blogg lesen kann (bitte mit Angabe Vomp). Euren Namen zu erfragen habe ich ganz vergessen.

Jetzt, nach dem Abendessen, raste ich mir in meinem Bett die Füße aus. Dass es morgen wieder schön wird, habe ich bei den Nachrichten gerne gehört und die Regentage danach, habe ich glatt überhört. Mich interessiert auch immer nur der heutige und morgige Tag. Was danach kommt, liegt nicht in meiner Hand und mit denen, die da was richten können, bin ich täglich mehrmals in geistiger Verbindung.

Das wars wieder für heute und ich wünsche Euch allen, die Ihr diese Zeilen lest, einen schönen morgigen Tag. Lasst wieder von Euch hören.
Pilger Walter.

Ps: ich habe heute kein Handyfoto zur Verfügung,da ist etwas schief gegangen.

Aktuelle Kurzmeldung

Leichter Sonnenschein kämpft mit feinem Nieserlegen hier im unteren Zillertal.
Weitere Verbesserungen sind zu erwarten und werden erwartet.

Pilger Walter on the road

Montag, 13. Juni 2011

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Der heutige Tag war zu vergessen, da sinkt die Motivation. Aber das Positive des Tages: Der historische Ort Rattenberg ist erreicht, aber wie?

Beim Aufstehen um 6Uhr war vom schönen Wetter des Vortages nichts mehr zu sehen. Ein grauer Tag erwartete mich. Das macht nichts, wenn es nur nicht regnet.
Während ich in der Bäckerei frühstückte hat es leicht zu regnen begonnen - grrr.
Zu allen Überdruss ist der Weg aus Söll raus, so wie im Führer beschrieben, nicht zu finden. Da hilft am Besten entlang der Straße weiter zu gehen. Bald habe ich einen anderen Weg gefunden und auch der JW fand mich dann wieder. Das hätte er auch lassen können - siehe weiter unten.

Alle eindringlichen Bitten zum Jakobus und alle Daumendrückerunterstützungen halfen nichts. Es regnete sich richtig ein und ich musste mein Verhüterli über Rucksack und mich stülpen. So zu gehen macht einfach keinen Spaß und man beginnt arg zu schwitzen. Und wo soll die innere Feuchtigkeit hin, wenn es außen nicht besser ist.

Beim Griff in die Hosentasche zum Handy der nächste Ärger. Der Reißverschluss klemmt, das Innenfutter hat sich in den Verschluss geschoben und er läßt sich nicht mehr vor und zurück bewegen. Eine Viertelstunde musste ich im Regen herumwursteln bis wieder alles ok ist.

Dafür führt der markierte JW weit abseits jeder Zivilisation und über ungepflegte schlammige Wege und zum Teil nicht zu erkennende unwegsame Waldwege oder man muss ohne Weg quer über eine Wiese gehen, was bei einen halben Meter hohen nassen Gras kein Vergnügen ist.
Hier ein Auszug aus dem Führer eines beispielhaften Teilstückes: "Sie stehen nun am Rande einer Wiese. Sie müssen weglos die schräg links unten/diagonal gegenüberliegende Ecke erreichen. Dort zweigt hinter den Büschen ein schwach erkennbarer Waldweg ab ..."
Dabei geht es im Inntal sehr flach dahin. Die örtlichen Gemeinden von Söll bis Breitenbach tun nur nichts für den Jakobstourismus und mir kommt vor auch die Menschen abseits der Tourismushochburgen sind muffiger.
Wie ich zu einem Hof komme, kommen kläffend ca. 10 Hunde mir entgegen und aus der Gartenlaube schaut der Besitzer interessiert zu, wie ich mich mit meinen Stöcken gegen die Horde wehre. Ein anders Mal schaun mir Leute wortlos zu, wie ich mich mangels eines Wegweisers verirre und in einen argen Schlammweg gerate, der sich dann in nichts auflöst. Laut grummelnd musste ich den Weg wieder zurückkämpfen und bin dann ohne Gruß an diesen dickschädeligen Tirolern vorbei gegangen.

Zu allem Überdruss begann dann der linke Oberschenkelmuskel zu schmerzen an (eine Zerrung? Von was?). Es wurde dann ziemlich schmerzhaft und mir kamen schon Bedenken bezüglich des Weitergehens. Am NM beim Gehen im Ebenen wurde es wieder erträglich.

Damit es den Ärgernissen nicht genug ist, habe ich mein Schweißtuch (kleines Handtuch am Rucksack befestigt) verloren. Aber zurück zu gehen und zu suchen, dazu hätten mich keine zwei Ochsen gebracht.

Als einzig positives am späten VM war das fast Aufhören des Regens und es bröselte nur mehr. Aber die Pelerine konnte ich weggeben und später auch die Gortexjacke. War das angenehm wieder Luft zu bekommen. Das Leibchen und der Hosenbund waren waschnass.

Es gibt auf diesem Teilstück auch keine gastronomische Infrastruktur, nicht einmal Brunnen zum Auffüllen der Wasserflasche. Somit war ich gegen 13h und nach fünf Gehstunden ohne Pause schon recht ruhebedürftig und hungrig.
Am Ortsrand von Breitenbach verließ ich den JW um ein Gasthaus zu finden und ein junges Paar gab mir den Tipp. Nicht weit gibt es zwei GH, ein gutes und preiswertes und eines der gehobenen Kategorie. Wie es an so einem "wunderbaren" Tag sein muss, hat das billige GH Ruhetag. Also rüber zum feinen Restaurant, schießlich ist man dafür doch richtig gekleidet. Man hat mir trotz vollem Haus und meiner schweißstinkender Wenigkeit doch einen, zum Glück, Einzeltisch gegeben. Trotz der ordentlichen Preisen (Menüs ab 20,-) fand ich mir trotzdem Speisen, die zu einer Pilgerkasse passen - sehr gute und reichliche Bandnudeln mit Pesto und Gemüse um 7,60. Dazu ein großes Bier um 3,- direkt eine Okkasion.
Verdächtig war nur, dass mein Essen keine 5 Minuten nach der Bestellung am Tisch war und das bei vollem Haus. Na klar, ich hätte auch geschaut, dass dieser dreckige und stinkende Pilger schnell wieder geht und ich wollte auch weiter. Nett das ehrliche Interesse der umsitzenden Gäste, wie ich mich zum Weitermarsch bereitgemacht habe.

Nachdem ich den nächsten Streckenabschnitt im Führer nachgelesen habe, habe ich festgestellt, dass es ähnlich wie am VM weiter geht, aber nicht mit mir. Ich suche mir den Weg im flachen Inntal. Mein Handynavy zeigte mir eine interessante Variante an. Einfach über die nahe Brücke über den Inn und die Autobahn gehen und zwischen Autobahn und Inn den Weg zu gehen. Fein, das mache ich. Von der großen Brücke sehe ich auch den Weg, nur wie komme ich da hinunter oder vom Ende der Brücke wieder über/unter der Autobahn durch. Mein Navy ließ sich nicht beirren und zeigt mir beharrlich den direkten Weg von der Brücke zum darunterliegenden Weg an. Soll ich die 20-30 m springen? Vielleicht hätte ich den Fallschirm doch mitnehmen sollen. Jetzt hätte ich ihn gebraucht.
Ein vorbeikommender Tiroler hat mir dann eine Alternative gezeigt. Ein Radweg nach der Autobahn. Diesen total ebenen Weg bin ich dann auch gegangen. Der Weg war oft kilometerweit schnurgerade und so kam ich auch gut weiter. Nur die letzten 2-3 Km, bei einem Nebenort von Rattenberg, began es wieder etwas zu regnen, aber ich bin flott ohne Regenschutz weiter gegangen. Und schon bin ich im heutigen Zielort einmarschiert. Der ganze Tag war geprägt von eher Einsamkeit. Darum erlitt ich beim Einbiegen in die Fußgangerzone einen Kulturschock. Habe ich mich verirrt und bin ich in Salzburgs Getreidegasse gelandet? So war das Bild, welches sich mir hier bietet. Ein Wahnsinn die laute Menschenmasse entlang der historischen Häuserziele mit unzähligen Souvenirläden und Lokalen. Das ist ein Herdentreiben im schlechtesten Sinn.
Mir war es bei immer stärker werdenden Regen auch nicht zum Bummeln und Schauen. Ich musste zuerst um ein Quartier schauen. Ein trotz der Massen von Urlaubern gefundener einheimischer Kellner verpasste mir den für diesen Tag letzten Tiefschlag. Es gibt in dieser Stadt nur eine einzige Unterkunft und das ist ein Gasthof in dieser Fußgängerstraße. Sonst müßte ich die 2-3 Km zum Nachbarort zurückkehren, dort sind Privatquartiere zu finden.
Nein, da gehe ich sicher nicht mehr zurück, schon gar nicht im inzwischen starken Regen und ich bin nach 30 Km müde ...
Ich probiere es im einzigen GH unterzukommen. Zimmer mit Frühstück 35,- naja nicht so schlimm wie befürchtet und ich handle noch 2,- Euro runter und kann umgehend meine schmerzenden Beine auf meinem Bett ausstrecken.

Nach einer wohltuenden Ruhepause und nachlassendem Regen, habe ich mich noch auf eine Besichtigungstour aufgemacht, wenn ich schon in so einem geschichtsträchtigen Ort nächtige. Sehr sehenswert ist die zweischiffige Kirche, getrennt für die Bürger und Knappen. Rattenberg selbst, ist nun für Glasarbeiten bekannt. Die historischen Häuser habe ich nur kurz besichtigt, weil es wieder stark zu regnen begann.

Das war in Kürze (oder doch nicht) mein Tag und jetzt im gemütlichen Bett sind alle Widernisse Geschichte. Der morgige Tag wird sicher besser (keine Kunst).

Ich grüße Euch alle und melde mich wieder, wenn es mich lüstet oder ich es notwendig habe - so wie heute.
Pilger Walter

Ps: Die 3 Stockwerke zu meinem Zimmer, habe ich heute, entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit, mit dem Lift bezwungen.
PPs: Es schüttet gerade wieder, nachdem es vorhin fast schön geworden ist.

Sonntag, 12. Juni 2011

Am Jakobsweg

Griaß eich!

Seit heute gehe ich den offiziellen Jakobsweg (in Zukunft kurz JW geschrieben). Der durchquert ganz Österreich von Budapest kommend. Jetzt geht es über Innsbruck, dem Arlberg bis Rankweil an die schweizerische Grenze.
Das Tolle am offiziellen JW ist, dass nun der Weg mehr oder minder gut beschildert ist (siehe Foto) und dass die Infrastruktur für Pilger besser wird.
Wichtig an der Beschilderung ist dabei das Logo (siehe auch am Beginn meines Bloggs).
Das gelbe Symbol auf blauem Grund stellt eine stilisierte Jakobsmuschel dar. Wobei das Zentrum in die Richtung von Santiago de Compostella (in Zukunft SdC) zeigt und von dort strahlen die Lichtstrahlen aus. Oder als andere, für mich sehr gute Erklärung, die Strahlen symbolisieren die vielen Jakobswege, die sich alle in SdC beim Grab vom Hl. Jakobus treffen. Wenn das Logo richtig montiert ist, dann bräuchte es eigentlich keinen Richtungspfeil.

Ich bin heute wie geplant in Söll gelandet, mit ca. 35 Geh-Km (um 4 mehr als geplant - das sollte jetzt mit den Führerangaben hoffentlich besser werden). Am Morgen in Fieberbrunn war das Wetter trostlos wie gestern an meinem Ruhetag, es regnete und der Himmel war tief verhangen. Die Zimmerwirtin wollte mir einen weiteren Pausetag einreden oder dass ich mit dem Zug weiterfahre. Aber so stark regnete es doch nicht, dass ich am ersten widrigen Tag aufgebe. Die Wirtin servierte mir zum Frühstück noch eine leckere Erdbeertorte. Das fand ich sehr lieb, schließlich ist heute Pfingstsonntag und Vatertag - liebe Söhne habt Ihr das organisiert? Ein Pilger dankt für diese lieben Gesten.
Eingepackt in die Regenpelerine startete ich mit viel Optimismus und führte gleich ein eindringliches Mitarbeitergespräch mit meinem Helfer Jakobus.
Beim Gehen im Regen hat man zwei Möglichkeiten. Entweder wird man vom Weihwasser von oben nass oder man zieht die Regenpelerine über und dunstet im eigenen Saft, wie ein Huhn in der Bratfolie. Schon nach 1-2 Km ging mein Blick hoffnungsvoll zum Himmel empor - wird es wirklich heller? Nach einer halben Stunde nieselte es nur mehr ganz fein, dass ich meine Dunstfolie verpacken konnte und nach einem weiteren Km konnte ich auch die Regenjacke weggeben. Danke Jakobus, wir sind ein gutes Team. Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde besser und am NM ist es ein schöner Pfingstsonntag geworden.

Vor St. Johann i.T. steht die erste Jakobuswegtafel - Juhuuu. Wenn sie hier den Weg zum Ziel schon markieren, dann kann es doch nicht mehr so weit sein - oder? Im Ernst, jetzt habe ich 300 Km in den Füßen, also mehr als 10% der Wegstrecke. Und so soll es weitergehen, dann schaffe ich den Weg sicher. Der gestrige Schwimm- und Wellnesstag im Saunadorf hat mir sehr gut getan und die Anfangsproblemchen sind auch fast weg.

In St. Johann schaffe ich es, nach 11 Geh-Km das Hochamt zu Pfingsten um 10h zu erreichen. Eine große und volle Kirche und ein charismatischer junger Pfarrer mit markigen Tiroler Sprüchen, die mich sehr zum Schmunzeln anregen. Hier kriege ich auch wieder einen Pilgerstempel.
Ab St. Johann befindet man sich voll im Tiroler (Ver)Fremdenverkehrsgebiet. Die Orte sind fest in "Fremder" Hand und die Preise entsprechen den umgebenden Berggipfelhöhen.

Zwischen St. Johann und Going, übrigens bei bester Beschilderung, treffe ich auf den ersten Jakobspilger, ein Salzburger, der nach dem portugisischen JW nun berufsbedingt in Etappen den österreichischen JW gehen will - heuer bis Innsbruck. Leider trennen wir uns kurz darauf, weil ich nach über 4 Geh-Stunden beim Römerwirt Mittagspause halten will. Ein gutes Brot mit Tiroler Speck gibt Kraft für den Weiterweg.
Im Bereich Going (Stanglwirt) bis Ellmau ist es ganz arg mit den Urlaubern. Ich komme mir wie ein Außerirdischer vor, so wie ich als Pilger beäugt werde. Da geht ein Pilger! Aber vielleicht wird der 2-3 mal am Tag vom Fremdenverkehrsverband durch den Ort geschickt. Ich mache mir oft den Spaß und grüße mit einem lauten "Grüß Gott" oder einem herzhaften "Griaß di". Dann merkt man den inneren Kampf der Urlauber: Wie soll ich jetzt reagieren und zurückgrüßen? Meist kommt ein zaghaftes "Tachhh". Das macht den Spießrutenlauf durch die Flaniermeilen der Orte und beim Vorbeigehen bei den Gastgärten erträglich. Aber es gibt auch nette und ganz liebe Ansprachen und da stoppe ich meinen forschen Schritt gerne. Von Ellmau raus muss ich mit flottem Schritt ganze Horden Nachmittagsausflügler überholen. Das Warum klären dann die Schilder, die zum "originalen" Bergdoktor-Haus weisen. Ich habe es zur Sicherheit für die Nachwelt auch fotografiert, auch wenn ich die Fernsehserie noch nie gesehen habe.
Nach dieser wichtigen Sehenswürdigkeit wird es im Wald wo sich der JW durchschlängelt wieder ganz ruhig und man kann wieder auf sich selbst hören.

Bis Söll sind es noch einige Km und leider ist der Weg nicht ausreichend markiert und ich "verliere" den JW. Wie ich dann wieder eine Wegtafel sehe, bei der ein steiler Weg nach Söll markiert ist, bin ich frustriert zu sehen, dass es noch 2 Stunden bis zu meinem Tagesziel wäre. Mein Navi am Handy zeigt für den Weg über die Bundesstraße nur 4,3 Km Entfernung an (somit weniger als 1 Stunde). Da gab es für mich nach 31 Km kein Überlegen und ich bin schnell die Bundesstraße weiter gegangen. Es war zwar sehr viel Verkehr, aber es ging ganz gut. Nach 2 Km fand ich dann eine Nebenstraße bis in den Ort Söll. Ich musste mir schließlich noch ein Quartier suchen und da hatte ich viel Glück - Jakobus sei Dank.
Vor einem Küchenausgang eines Hotels sprach mich Pilger eine Küchenhilfe an und meinte in ihrem Hotel gäbe es günstige Pilgerpreise und sie ging gleich die Chefin fragen. Enttäuscht kam sie mit der Antwort wieder und meinte 42,- sind mir sicher zu teuer - wie recht sie hatte. Auf meine Frage, ob sie ein billiges Quartier wüßte, beratschlagte sie sich mit zwei weiteren Küchenkräften, die nachgekommen sind. Die gute Nachricht, der Pfarrer bringt oft Pilger in einem Heim unter. Ich dankte und war schon auf der Suche nach dem Pfarrhof und wirklich, die Pfarre betreibt eine Pilgerherberge gleich neben der Kirche (praktisch fürs Besichtigen und Beten). Der Pfarrer Goßner, dem ich sehr danke, führte mich in ein modernes und neues Haus, dem Jakobus-Haus und sperrte eines der Zimmer auf. Ein zwar kleines aber sehr nettes Zweibettzimmer mit WC und Dusche bekam ich für nur 15,- Euro. Das Bett musste ich aber selbst überziehen - nona! Und Frühstück müsste ich mir in der nebenliegenden Küche selbst zubereiten oder zur nächsten Bäckerei gehen. Ich gehe zur Bäckerei, denn zu Einkaufen gab es nichts mehr.
Die nächste Überraschung wartete im Aufenthaltsraum (mit bequemer Sitzgarnitur und Fernseher). Da lag eine detailierte Beschreibung mit viel Wissenswertem. Das Wichtigste dabei, dass man beim nahegelegenen Postwirt (großes Hotel und tolles Restaurant) fürs Essen als Pilger mit Ausweis entweder 30% Ermäßigung bekommt oder man kann ein Abo-Essen um 7,- Euro haben. Ich nahm das Abo-Essen, in meinem Fall: Frittatensuppe und ein leckeres Wienerschnitzerl mit Erdäpfel. Leider war des große Bier nur 0,4 l groß.

Nun sitze ich im Aufenthaltsraum (leider alleine - ich bin für heute der einzige Pilger) und schreibe für Euch den Tagesbericht. Ich hoffe, ich verwöhne Euch nicht, denn spätestens im Ausland werden die Berichte spärlich werden (Kostenfrage!).

Jetzt bin ich müde und schicke Euch liebe Grüße. Bleibt gesund und schreibt fleißig Kommentare. Es macht Spaß sie zu lesen.
Pilger Walter

Freitag, 10. Juni 2011

Mander es isch Zeit!

Richtig, ich bin schon in Tirol, in Fieberbrunn. Und es ist Zeit für den ersten Ruhetag. Morgen werde ich im hiesigen Almbad mit Saunadorf wellnessen und Kraft tanken für die nächsten 9 Tage und der Tirol-Durchquerung.

Mir geht es gut und ich bin planmäßig unterwegs. Das Gehen geht ganz gut. Am Vormittag bin ich immer recht agil unterwegs. Wenn dann 20 bis 25 Km geschafft sind, wird es doch immer schwerer zu gehen. Aber da kommt es auf die Strecke, den Weg und die Landschaft an. Die heutigen 33 Km (länger als geplant) waren leichter zu bewältigen als der gestrige Tag mit 28 Km. Ich habe auch heute mehrere Kleinpausen eingelegt und meine Füße massiert. Seit Jahren plagt mich beim längeren Gehen am linken "Ringzehen" eine Art Krampf, als ob sich die Sehne zusammenzieht. Das ist dann sehr schmerzhaft. Und wenn ich den Zehen strecke und massiere kann ich wieder einige Km schmerzfrei gehen.

Über den gestrigen Tag gibt nichts großartiges zu berichten, außer dass ich die Etappe geschafft habe. Am Morgen gab es noch leichten Regen. Anscheinend haben noch nicht alle von Euch die Daumen für ein trockenes Gehen gedrückt gehalten.
Entgegen den Aussagen der Zimmerwirtin habe ich doch einen Weg abseits der Bundesstraße gefunden. Eine steile Forststraße ging es zur Fellersbachbahn und von dort einen leider sumpfigen Weg zum Dientner-Sattel (1342 m, also 500 Hm). Dann ging es wieder die Straße weiter. Dafür hörte es zum Regnen auf und es wurde sogar einigermaßen schön. In Dienten ging es runter und rauf, bis zum Filzensattel (1290 m, also wieder 300 Hm). In Hintertal hielt ich eine kurze Mittagpause mit einem guten Beuscherl. In Ramseiden bei Saalfelden fand ich ein schönes Zimmer (22,-), welches ich mir im Internet schon gesucht habe. Nachdem es dort keine Infrastruktur gab, habe ich mir die Abendjause von Maria Alm mitgenommen.

Der heutige Tag (Fr. 10.6.) hielt einige schöne Überraschungen bereit.
Es war ein guter Gehtag - vom Wetter her und von der Strecke.
In Leongang maschierte ich am Radweg dahin, zwischen vielen Menschen aus aller Welt, Bikes und Zelten, weil dort der Mountainbike Weltcup stattfindet. Auf einmal höre ich jemanden "Walter" rufen. Ich blicke herum und vor mir stehen winkend Richard und Alexander Stock mit Felix und Benjamin. Mir blieb fast die Sprache weg (aber nur fast). Die Vier machen Urlaub in Lofer und sind auf gut Glück extra hierher gekommen um mich kurz anzufeuern und wir haben uns gefunden. Das war eine große Freude und gab Kraft für den restlichen Tag. Danke ihr Lieben!

Das nächste tolle Erlebnis hatte ich bei Hochfilzen. Ich kehrte für eine kleine Mittagsjause bei der Seealm-Hütte beim Grießer Moor zu. Ein gutes Speckbrot und ein gutes Trummer Bier waren gut für die Stimmung. Ich war der einzige Gast und wir plauderten über mein Vorhaben. Beim Zahlen meinte die Hüttenwirtin: "Das geht aufs Haus". Ich war ganz überrascht und erfreut. Ich bedankte mich mit einer Jakobikirche-Ansichtskarte, die ich gestempelt und mit einem "Vergelts Gott" unterschrieben habe. So etwas erlebt man als Pilger und das sind neben den Schönheiten der Natur die Besonderheiten auf der Reise.
In Fieberbrunn sitze ich dann in einem Cafe um das Quartierprospekt durchzusuchen, da kommt ein Gast und stellt mir ein Stamperl Schnaps hin, weil ich Pilger bin.
Ist das nicht nett? So habe ich wieder 2 Personen mehr im Rucksack, die ich für ein Dankgebet nach Santiago mitnehme.

In den letzten 9 Tagen habe ich schon zwei Erfahrungen gemacht, die für zukünfte Pilger hilfreich sein könen:
1) Frage nie Einheimische um einen Wanderweg, du wirst weit und irr gehen. Heute zum Beispiel, erklärt mir eine Frau sehr wortreich wie ich gehen soll - fast mit Aufzählung aller Häuser und deren Bewohner. Auf kurz gesagt, ich soll den nächsten Weg rechts nehmen. Sie hat nur eine Abzweigung vergessen und meinte die 2. Straße, die auch entsprechend markiert war. Das frühere Abzweigen brachte mir einen Irrweg auf den Berg rauf und einen zusätzlichen Geh-Km.
2) Wenn es dir auf langen Straßen- und Gehwegen einsam wird und du sehnst dich danach, wieder einmal ein menschliches Wesen zu sehen, dann stelle dich an den Wegrand und beginn zu pinkeln. Unter Garantie kommt dann wer oder fährt dann ein Auto. Das funktioniert bestens und sogar auf einsamen Forststraßen.

Das wars für heute und ich bedanke mich bei allen, die mich mit Kommentaren aufbauen.
Pilger Walter

Als Foto ein Selbstportrait (richtig mit ganz kurzen Haaren - praktisch!)