Mittwoch, 8. Juni 2011

Geschrieben & vergessen!

Hallo aus Mühlbach am Hochkönig!

Heute war der 7. Gehtag und 200 Km sind geschafft. Das ist ja schon was, da muss ich zur Belohnung gleich ein Schokokeks essen - mhhh!

Sonst ist von diesem Tag nichts Tolles zu berichten, ganz im Gegenteil. Somit schreibe ich mir diesen Tag von der Seele und kann ihn danach zu den Akten legen.

Der Tag begann, wie der gestrige Tag endete, mit einem zünftigen Straßenhatscher. Von Hüttau kann man nur entlang der Bundesstraße gehen, denn zwischen den Berghängen ist nur Platz für den Fritzbach und Straße. Für einen Gehsteig ist schon kein Platz mehr - siehe auch Foto mit Autobahnbrücke.
Positiv war nur, dass wenig Verkehr war und es etwas bergab geht. Beim Straßenwalken geht was weiter (6er-Schnitt). Ein paar Km vor Bischofshofen habe ich einen gemütlichen Waldweg nach Bi'hofen gefunden - auch ein Abschneider. Nach Bi'hofen ging es wie am Tagesbeginn weiter, 9 Km immer an der Bundesstraße bis Mühlbach am Hochkönig. Da gibt es links und rechts nur steile Hänge. Hier war dann auch mehr Verkehr, aber es ging trotzdem recht gut. Lästig war dann ein ordentlicher Regenguss von einer halben Stunde (Jakobus wo warst du?).
Es gibt hier auch Null Möglichkeiten zum Unterstehen, man muss einfach weiter. Wenn einem dann ein großer LKW beim Vorbeifahren die Regenpelerine von hinten bis nach vor ins Gesicht weht und man die klatschnasse Pelerine bei strömenden Regen nicht wieder zurück bekommt, da kommen nichtdruckreife Kommentare über die Lippen.
Trotzdem bin ich gut weitergekommen und die für heute geplanten 24 Km sind gleich nach Mitttag geschafft. Dann war noch eine größere Telefonarbeit notwendig, bis ich endlich ein Quartier gefunden habe. Es ist dann eine kleine Ferienwohnung direkt an der Bundesstraße und kostet 28,-. Ich kann mir somit das Abendessen selbst zubereiten und kann mein Reisebudget damit schonen. Es wird jetzt "Huhn süss-sauer mit Ananasstücken und Reis" geben - Inzersdorfer sei Dank. Zwei Stiegel-Biere kühlen auch schon vor sich hin :-)

Leider ist vom beeindruckenden Panorama durch die Wolkenfetzen wenig zu sehen.

Das Highlight des Tages:
Beim Durchqueren der Hauptgeschäftsstraße von Bi'hofen kam mir ein Urlauberehepaar entgegen und sie ließ im bundesdeutschen Dialekt folgenden Spruch los:
"Ach schau Karl-Gustav, ein Jakobspilger!" und zu mir gewandt: "Ich hab sie an der Muschel erkannt. Wir waren schon in Santiago - mit dem Bus und da haben wir die Muschel gesehen. Wir haben auch eine zu Hause. Wo gehen sie denn hin?" - "Na ja, nach Spanien" - mein Standardspruch wenn mich wer frägt, wohin ich gehe. Darauf die Urlauberin begeistert zu ihren Mann: "Hast du gehört, ein richtiger Pilger!" Es fehlte nur noch der Zusatz "Dass wir das noch erleben durften ...". Ich wollte schon sagen, wenn man einen richtigen Pilger trifft, dann lädt man ihn zum Essen ein :-)

Das wars für heute, denn ich muss kochen.
Für morgen ist leider Schlechtwetter angesagt. Gerade hat es wieder zum Schütten angefangen und zum Glück brauche ich heute nicht mehr aus dem Haus. Bitte haltet mir die Daumen, dass mich morgen der Regen nicht erwischt. Ich will mich nun nicht nur auf den Hl. Jakobus verlassen, nachdem er heute seine Arbeit nicht gut gemacht hat.

Liebe Grüße
Pilger Walter

Dienstag, 7. Juni 2011

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Liebe Freunde, die Ihr auf Nachricht wartet.

Heute habe ich die Heimat, die Steiermark verlassen und ich kann Euch liebe Grüße von der nächsten Etappe, dem Salzburgerland (Hüttau im Pongau) schicken.

Was hat sich die letzten 3 Tage getan?
Es waren sehr angenehme Tage, die auch dazu beigetragen haben, dass sich mein Körper schon ganz gut auf das Gehen und Tragen eingestellt hat.

Am Sonntag (4. Gehtag) war die Gehstrecke kürzer als geplant, weil ich am Vortag 11 Km bis Aigen i.E. weitergehen musste.
Es war ein schöner, aber auch ein wenig heißer Tag. Zum Glück gab es "Wassertankstellen". Mein Ziel war Gröbming bei unseren lieben Freunden Vroni und Karl. Dorthin kam auch Kathrin nach. So war dieser Gehtag mit Vorfreude begleitet. Und für diesen Tag durfte ich noch eine tolle Überraschung erleben. Wie ich mitten durch Gröbming hatsche (am Ende einer Etappe wird der Schritt schon schwerer), bleibt neben mir eine kleine Kutsche, mit 2 Haflingern bespannt, stehen und der Moser Hermann lud mich ein, den letzten Km mit ihm zu fahren. Das war ein Hallo wie ich mit der Kutsche bis vors Gartentor zu meinen Freunden geführt wurde - ein lustiges Schmankerl auf meinem Pilgerweg. Und dann noch die gute Küche von Vroni - so geht es einem Pilger gut. Auch die täglich Wäsche erledigte die Waschmaschine.

Kathrin und Vroni (unsere langjährige Wanderbegleiterin) wollten mich gestern begleiten, aber wegen anderer Verpflichtungen musste Vroni ihre Begleitung auf heute Dienstag 7.6. verschieben. Somit habe ich meinen Tourenplan abgeändert. Statt in die Ramsau und von dort über Filzmoos nach Hüttau (keine gute Begleitstrecke), bin ich an den letzten beiden Tagen über Schladming nach Pichl gewandert und heute von Pichl über Radstadt nach Hüttau.
Gestern hat mich meine liebe Frau begleitet und nachdem sie wieder zurück nach Gröbming wollte um heute mit Vroni nach Pichl nachzukommen und mich weiter zu begleiten, habe ich mich zu einer 2.Nächtigung "eingeladen". Somit konnten meine Kathrin und ich mit einem kleinen Rucksack durch das schöne Ennstal bis Pichl wandern (27 Km) und von dort sind wir mit dem Bus zurück gefahren und ich durfte eine weitere Nacht mit 4-Stern-Betreuung bei unseren Freunden verbringen - toll!

Heute sind wir mit dem Auto wieder nach Pichl gefahren und haben zu Dritt eine sehr schöne Etappe entlang des Ennsradweges erlebt. Leider war das heute der letzte Begleittag, jetzt geht es alleine weiter. Vroni und Kathrin haben mich bis Eben im Pongau begleitet und nach einem innigen Umarmen haben wir uns dann getrennt. Sie sind mit dem Bus und Zug nach Pichl zurück und ich bin die letzten Km nach Hüttau weiter marschiert. Und es war gut so, dieser Teil war besch...eiden. Hier gibt es ausser Bach, Wiesen, Eisenbahn und eine Straße nichts und ich musste ca. 7 Km am engen Straßenrand der Bundesstraße gehen - der totale Kontrast zu den vorigen Km.

Jetzt sitz-liege ich gemütlich und beineschonend in meinem Quartier und genieße neben dem Schreiben meine Abendjause vom Spar-Markt und 2 Dosen gutem Stiegelbier :-) und draussen rauscht der Regen vom Himmel - habe ich ein Wetterglück!

Bis jetzt hat sich die Partnerschaft mit dem Hl. Jakobus sehr gut bewährt. Wir haben ausgemacht, dass ich mich auf den Pilgerweg zu seinem Grab begebe und er hilft mir bei der Quartiersuche (das hat heute wieder gut funktioniert, obwohl meine Quartiervorschläge nicht frei waren). Natürlich hilft mir Jakobus auch beim Gehen und beim Wetter. Bis jetzt war das Wetter sehr gut, nur heute Mittag, bei Altenmarkt, wollte uns gerade ein Regen sekkieren. Da habe ich lauthals Jakobus auf seine Dienste erinnert und siehe da, gleich war Schluss mit dem Regen, noch bevor wir den Regenschutz aus den Rucksäcken geholt hatten. So konnte ich trocken bis Hüttau kommen und erst eine Stunde nach Quartierbezug hat es zu regnen begonnen und das ordentlich.
Für die nächsten Tage ist Schlechtwetter angesagt, da wird Jakobus viel Arbeit haben, mir einem Schirm über den Weg zu halten.

Das wars für heute, bis zu meinem nächsten Bericht danke ich für die lieben Kommentare und Wünsche
Pilger Walter

Das Foto zeigt den Moment des Verlassens der Steiermark

Samstag, 4. Juni 2011

Schweistreibend und schmerzhaft

Hallo liebe Wegbegleiter im Geiste!

Gleich einmal DANKE für die lieben Kommentare und das Mitgehen im Geiste. Es ist wunderbar und aufbauend im Mailbriefkasten Euren Kommentar zu finden und die lieben Worte zu lesen.

Zuerst einmal, wie geht es mir.
Heute habe ich die 3. Etappe geschaft und sogar überfüllt - mehr dazu später.
Somit mein Spruch: Super, es ist nicht mehr so weit bis Santiago :-)

Es geht mir prächtig, bis auf Wehwechen von den Füßen bis zu den Schultern. Aber es wird mit jedem Tag besser und beim Gehen auf der Strecke neutralisiert sich alles und man spürt (fast) nichts.
Trotz der guten Vorbereitung geht es am Beginn nicht ohne Probleme. Natürlich brennen die Füße wenn es wie heute (ausserplanmäßig) ca. 36 Km werden und die letzte 11 Km von Lassing, das für mich kein Quartier hatte, nur ein Straßenhatscher angesagt war.
Aber auch mein linker Innenknöchel schmerzt bisweilen und ist etwas geschwollen und blaurot verfärbt. Es war der Bergschuh, dabei bin ich ihn schon gut eingegangen. Aber mit lockerem Zubinden geht es ganz gut.
Dann sind es die Oberschenkel und die Sehnen im Schritt. Die protestieren beim Weggehen aufs Heftigste und nach einigen 100 Metern geht es wieder gut und ich spüre es fast nicht. Eine Lösung des Problems: Weniger Pausen machen (nicht ernst gemeint).
Und dann sind noch die Schultern.
Gerald vom Fitnessstudio: Anscheinend waren die Schulterübungen doch noch nicht passend und ausreichend, denn wenn der Rucksack herunten ist, sind die Muki's in der Schulterregion gut spürbar - ob das wohl am 15 Kilo schweren Rucksack liegt? Aber ich brauche die mitgeführte Küche, Zimmer und Kabinett dringend.

Wie ich vorhin vom Quartier zum naheliegenden Gasthaus in den Croggs gegangen bin, hätte mich die PVA nicht sehen dürfen, die hätten mir gleich 4 Wochen Kuraufenthalt verordnet.

Dabei sind die Rucksackdruckstellen (beim Brustgurtansatz und beim Beckengurtansatz) schon besser geworden. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und Ihr werdet sehen bis zum Ende meines Jakobsweges werde ich springen und tanzen :-)
Wisst Ihr wie schön das sein kann im Bett zu sitzen und die Beine auszustrecken?
Und ganz toll ist es, wenn man die Nacht großartig schläft und am Morgen ist man wieder, mehr oder weniger fit.

Von den letzten zwei Tagen (Mautern - Gaishorn und Gaishorn über die Burg Strechau, Lassing bis Aigen im Ennstal gibt es Folgendes zu berichten:

In Mautern, nach der Morgenmesse, hat mich Helmut Hafner, mein Französischkurskollege und erprobter Jakobspilger, bei der Kirche abgeholt und hat mich bis Wald am Schoberpass begleitet - Danke Helmut. Wenn man ihn beim Gehen zusieht, möchte man einen Rollstuhl bereitstellen. Darum Helmut, Hochachtung vor Deiner Leistung.

Am Weg bis Wald a. Schoberpass hat uns für eine halbe Stunde ein schöner Regenguss ereilt. Somit habe ich das auch erlebt - was soll mir jetzt noch passieren. Ach ja richtig, einen Köterangriff, den habe ich heute erlebt. Er war zwar hinterm Zaun, aber der war wenig vertrauenserweckend nieder.

In der Region um Gaishorn, Lassing und Aigen i.E. wäre eine Tourismusoffensive ratsam. Hier sollte man nicht so einfach hereinschneien, da wird man man als Gast nicht immer glücklich. In meiner Firma gab es ein geflügeltes Wort: "Kunde droht mit Auftrag!"

in Gaishorn waren beide möglichen Quartiere erst nach 2-3 Stunden zu beziehen, weil niemand da war und auch die Zimmer nicht fertig waren.
In Lassing, mein heute geplantes Ziel, war kein Zimmer zu finden. Eine Unterkunft war voll und die Besitzer der 2. Unterkunft wollten lieber einen Ausflug machen, obwohl ich schon gestern angerufen habe.
So bin ich ins Ungewisse losgegangen und habe zum Jakobus gemeint: "Jetzt musst du dir was einfallen lassen". Die nächste mögliche Station war Aigen im Ennstal - 11 Km weiter zu den geplanten 26 Km. Dazu kamen noch ca. 2 Km Umwege wegen falscher Beschilderung und gutgemeinter, aber unnötiger Umwege. Die Lösung vom Hl. Jakobus hat so ausgesehen, dass er mir die Kraft gegeben hat, damit ich den weiteren Weg schaffe und dass er mich flott dahigehen ließ und den Regen von mir abhielt.
Ja, auch hier in Aigen hat die Gastronomie so seine Tücken. Gleich am Anfang von Aigen, neben meinem netten Privatquartier (22,-) gibt es zwei Gasthäuser und deswegen habe ich mich da auch einquartiert - so richtig weitergehen wollte ich nicht mehr. Die Vermieterin hat mir eines der GH empfohlen, denn das 2. GH kocht kaum aus. In dem empfohlenen GH bin ich mit einem ordentlichen Hunger um 17:15 aufgetaucht und musste zur Kenntnis nehmen, das der Koch erst um 18h kommt. Ok, das kommt öfters vor. Also trinke ich fürs Erste ein gutes Bier. Vor 18h kommt die Kellnerin und meint schuldbewusst, dass es mit dem Essen nichts wird und ich hatte mich schon auf einen Schweinsbraten mit Knödel und warmen Krautsalat gefreut. Der Grund: der eine Koch ist mit den Fußballern unterwegs und der 2. Koch ist bei einer Feier hängen geblieben. Ja, ja, die Ennstaler feiern gerne und da kann neben die Welt untergehen..
Somit bin ich mit knurrendem Magen zum Nachbar-GH. Eine Art Bauerntoast (tiefgefroren) war nicht schlecht und hat den Hunger fürs Erste besänftigt. Jetzt (20:15), wäre vielleicht was Süßes noch gut, aber mich bringt heute nichts mehr aus meinem Bett.

Mit dem Wetter habe ich bisher sehr viel Glück (meine Vereinbarung mit oben wirkt anscheinend). Gestern wie ich vorm Quartier unter Dach auf die Vermieterin wartete, ging der erste von ca. 5 Regengüssen nieder. Für heute war sehr wechselhaftes Wetter vorhergesagt und in anderen Regionen (z.B. unter Graz) gab es auch Unwetter. Aber entlang meines langen Weges blieb ich davon verschont, auch wenn der Himmel tw. bedrohlich dunkel war. Es schien meist doch die Sonne und es war extrem schwühl und schweißtreibend - besonders beim steilen Anstieg zur Burg Strechau (gut zu sehen von der Autobahn bei Rottenmann).

Zwei nette Kurzbegleitungen eines Radfahrers, der mich schon am Vortag gesehen hat, und eines einsamen Spaziergängers, waren die heutigen Highlights.

Eine Schrecksekunde hatte ich am Morgen. So 300 m vom Nachtquartier kam mir etwas komisch vor. Meine Hände hatten nichts zu tun - die Stöcke!!! Also umdrehen und den Hügel wieder rauf. Aber wie schon erwartet, hier waren sie nicht, denn ich habe beim Zimmerauszug genau geschaut, ob ich alles mithabe.
Wo habe ich sie vergessen? Sicher am Vortag bei der kleinen Bäckerei, wo ich was getrunken habe und mir die Abendjause gekauft habe. Ich bin dann schnell und mit einem Bittgebet zum Hl. Antonius zu dem Geschäft im Zentrum von Gaishorn runter. Und hier gibt es ehrliche Menschen, denn Gott sei Dank, dort im Freien, gleich neben der Straße, warteten meine Stöcke auf mich :-)

So das wars für heute, denn jetzt tun mir vom Schreiben auf dem Mäuseklavier (sprich Tastatur) meines Handys auch die Hände und Finger weh.

Die Vorschau auf die nächsten 3 Tage sind sehr angenehm. Davon berichte ich beim nächsten Tagebucheintrag (wenn ich Lust dazu habe).

Das Foto zeigt eine Wasserlabestation am Radweg zwischen Trieben und Rottenmann. Heute habe ich einige Wasserstellen gebaucht.

Ich sage nun Gute Nacht und lasse jetzt meine Beine zu Kräften kommen.
Piger Walter

Donnerstag, 2. Juni 2011

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Hallo liebe Freunde!
Der erste Tag ist geschafft und die 1. Station Mautern ist erreicht - rund 28 km.

Der Tag begann fröhlich. Schon beim Aufstehen fühlte ich eine innerliche Freude. Jetzt ist der ersehte Tag gekommen.
Die Messe war für mich sehr emotional mit ein paar Tränen. Tränen der Freude und dem Wissen, meine Familie bangt um mich.
Zum Glück war Lukas da und ich konnte ihn in der Kirche herumtragen und alles zeigen, damit er die lange Messe ruhig gibt.
Nach dem Pilgersegen mit sehr persönlichen Worten ging durfte ich durch ein Spalier von Freuden und lieben Kirchgängern gehen, die mir alle viele Wünsche für den Weg mitgaben.
Eine große Überraschung war, das mich meine Frau Kathrin und mein Sohn am ersten Tag begleiten werden (das haben sie am Vorabend angekündigt), und auch Franz Maderthoner und Walter Kreutzwiesner sind adjustiert zur Begleitung bereitgestanden. Das war eine große Freude. Somit war der erste Tag ein fröhliches Wandern über die Niederung, Traboch, Kammern bis Mautern. Unterwegs bekamen wir vom Schollinger-Bauern einen guten Schnaps zur "Stärkung" und die Wirtin vom Gasthaus Meisenbichler hat mich auf die Getränke zum Mittagessen eingeladen und hat eine Runde Schnaps spendiert - Vergelt's Gott. Auf's Essen hat uns meine Gattin eingeladen und die Kuchen/Bierjause am Ortsanfang hat Franz bezahlt - ich danke Euch schön.
In Mautern hat mir Pater Kollomann Quartier im Pfarrhaus angeboten. Das ist ganz nett. Er war nur unterwegs und per Handy nicht erreichbar. So hat die liebe Wirtschafterin in der Wartezeit uns bewirtet. Im Gespräch hat sie von der Familie Hafner erzählt, die auch Jakobspilger sind. Wir kennen von der Vorbereitung im Französischkurs und hat gleich die Hafners angerufen. Hr. Hafer ist auch glich gekommen und wir haben bei Wein und Kuchen Erfahrungen ausgetauscht. Sie sind vor Jahren den spanischen JW gegangen und sind im Vorjahr von Österreich ind Schweiz gegangen. Der französische Teil fehlt ihnen noch. Ich wünsche den beiden Gesundheit, dass sie auch den letzten Teil erleben können.

Somit war der erste Tag ein ganz fröhlicher Tag und ich bin dankbar dafür.

Das Foto zeigt meine Begleiter beim Rückblick auf Leoben und die Jakobikirche.

Jetzt sitze ich bequem im weichen Bett und strecke meine müden Beine aus. Eine gute Dusche belebte die Geister und die Füße sind mit Hirschtalg für den morgigen Tag vorbereitet. Nach diesem Tagebucheintrag werde ich gut schlafen.

Ich grüße Euch von meinem Jakobsweg
Pilger Walter

Ps: das Schreiben am Handy ist nicht so bequem und so können sich einige Tippfehler einschleichen.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Jetzt gehts los!

Unglaublich! Ein jahrzentelanger Traum geht in Erfüllung. Morgen beginne ich meinen Jakobsweg!
Ich bin gelassen und gespannt zugleich, was dieser Weg für mich bereithält.
Gelassen, weil ich bestens vorbereitet bin. Der Rucksack ist gepackt (mit Wasser und Notproviant muss ich täglich 15 Kg tragen) und wie ich glaube, alles ist erledigt und bereitet.
Gespannt, weil das kein Sonntagsspaziergang ist und jeder Tag viel Unbekanntes für mich breithält.
Ich bin auch offen für alles, was passieren wird (in mir und rund um mich herum).
Mit Gottes Hilfe und mit der Begleitung des Heiligen Jakobus werde ich am 24. September auf den Platz vor der Kathetrale in Santiago de Compostella einmaschieren können.
Bis dahin sind einige Millionen Schritte zu tun und morgen mache ich den ersten Schritt dafür..

Ich bin begeistert von den vielen guten Wünschen und dem Zuspruch, den ich von allen Seiten bekomme. Das ist eine der schönsten Erfahrungen, die ich bisher erleben durfte. Mit diesem "Proviant" wird mir der Weg gelingen.

Liebe Freunde und alle, die Ihr mich auf dem Weg begleitet, bitte habt Verständnis, dass ich entlang des Weges keine Telefonanrufe entgegennehmen möchte. Ihr könnt aber über meine Familie mit mir Kontakt halten. Und ich weiß nicht, ob ich immer die Kraft, den Geist und ein Gratis-WLAN haben werde, um diesen Blog mit aktuellen Informationen zu füttern. Die Fotoqualität wird "nur" Handyformat haben. Für die anderen Fotos vom Fotoapperat fehlt mir eine passende Schnittstelle.

Zum Schluss, bevor ich losgehe, möchte ich meiner Familie, ganz besonders meiner Frau danken, dass sie Verständnis haben, dass ich diesen Weg gehen muss.

Jetzt gehe ich noch auf ein gutes Glas Gösser Bier, lasse mir die Haare ganz kurz scheren und dann warte ich noch auf mein Enkerl Lukas, der mit seinen frisch verheirateten Eltern zu meinem Abschied kommen wird. Morgen nach der Feiertagsmesse mit Pilgersegen in der Jakobikirche gehts los.

Los gehts, on y va, ultreia
Pilger Walter

Sonntag, 15. Mai 2011

Bereit

15. Mai und ich bin bereit zum Wegmaschieren. Die letzte Woche war geprägt, die Form zu überprüfen und Kondition zu tanken. Über 160 Km bin ich an 5 Tagen gegangen.

Zur Einstimmung auf meinen Jakobsweg bin ich am 6. Mai mit zwei Freunden bzw. Ex-Kollegen, Erich und Andreas, beim Vierbergelauf mitgegangen. Eine einzigartige Wallfahrt über vier Berge in Kärnten, an der tausende Wallfahrer teilnehmen. Der Start ist um 0:00 am Magdalensberg und der Weg führt über 17 Stunden ca. 52 Km über den Ulrichsberg, Veitsberg bis zum Laurentiberg.
Auch wenn diese Wallfahrt schon Kultstatus hat und viele Wanderer sportliche Ambitionen haben, steckt in dieser Wallfahrt, die immer am Dreinagelfreitag (2. Freitag nach Ostern) stattfindet, viel Volksfrömmigkeit, die sich in vielen geschmückten Vortragekreuzen, Gebeten, einigen Messen und Andachten dokumentiert.
Hier einige Berichte von der Wallfahrt:
http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurtland/1146224/17-stunden-ueber-vier-berge.story
http://www.youtube.com/watch?v=639XWLj2aOc
http://www.kultur.kaernten.at/?arid=5863&jid=SO&siid=1226

Von Montag bis Donnerstag bin ich rund um Leoben über Berg und Straßen rund 110 Km gegangen und alles ist ok. Die Schuhe, meine "Wohnung" für vier Monate", passen, die Kondi stimmt (ACTIC-Fitness sei Dank) und die mentale Kraft passt. Ich bin bereit loszugehen.




Der Rucksack ist auch schon zur Probe gepackt und das intensive Streben nach Gewichtseinsparung hat Erfolg gehabt.
Mein Rucksack wiegt vollgepackt "nur" 11 Kilo.
Dazu kommt noch das Trinkwasser (bis zu 2 Liter) und eine Notverpflegung (4 einzeln vakuumverpackte Hartwürstel und einzelverpackte Vollkornbrotscheiben und ein paar Müsliriegel).
Mit der Brusttasche (am Hosengürtel getragen) für Handy, Fotoapparat, Führer, Notizbuch und Infos und der Ausrüstung am Körper, von den Schuhen über die Stöcke bis zum Hut, wird meine gesamte Ausrüstung ca. 17 Kg haben.

Das ist ok.
Jetzt sind nur noch die letzten Vorbereitungen zu tätigen und es kann los gehen. Aber vorher will ich mich mit meiner Familie freuen auf die Hochzeit von Klaus.

Am 1.Juni melde ich mich vor dem Start wieder!
Pilger Walter

Sonntag, 1. Mai 2011

Stimmung – Ein Monat vor dem Abmarsch


Ein 20-jähriger Wunschtraum wird immer greifbarer und realistischer. Den bzw. meinen Jakobsweg nach Santiago de Compostella zu gehen. Nur mehr ein Monat und es geht los. Eigentlich möchte ich schon losstarten.

Seit über zwei Jahren beschäftigt mich dieser Weg intensiv und in den letzten Monaten kann ich fast nur mehr davon denken. Vieles ist vorzubereiten, zu bedenken und bisweilen auch zu organisieren. Jeder Tag bringt mir Neues, was ich noch erledigen kann. Dabei handelt es sich nicht um eine Planung ins kleinste Detail, sondern um Dinge, die mir den Weg erleichtern können und das Wegziel für mich erreichbar machen.
Es kommen auf diesem langen Weg sicher noch viele ungeplante Situationen auf mich zu. Ich muss z.B. mir jeden Tag ein Bett, ein Zimmer suchen und ich möchte mich auch nicht stur an meinen Weg- und Etappenplan halten (müssen). Ich möchte so viel Freiraum haben, dass der Weg mit mir gehen kann und ich auch die Freiheit habe, auf den Weg und sein Umfeld achten kann.
Es gibt auf dem ganzen Weg und in der ganzen Zeit von fast vier Monaten, nur einen einzigen geplanten Fixpunkt, das ist der Rückflug am 28. September und den habe ich heute gebucht. Mein ursprünglicher Plan, mit den Zug nach Hause zu fahren, habe ich aus Kostengründen aufgegeben und meine ehemaligen Kollegen in Leoben möchten, dass ich am 30. September bei der 20-Jahr-Feier des Büros dabei bin. Das mache ich gerne!

Irgendwie komme ich mir vor, dass ich schon auf dem Weg bin. In Gedanken ist es sicher so und der viele Zuspruch den ich bis jetzt schon erhalten habe, ist wie ein Anfeuern am Wegesrand. Das ist eine der schönsten Erfahrungen, die ich machen durfte. Die vielen positiven Reaktionen und Zurufe setzen so viele Energien in mir frei, dass ich weiß, ich werde es schaffen und Santiago demütig und dankbar umarmen dürfen.

Nach den ersten Reaktionen, wie: „Du spinnst“ oder „Warum tust du dir das an?“,  kann ich nur antworten: Ich tue mir nichts an, sondern, ich tue mir dabei etwas Gutes. Ich kann und darf mein Lebensziel verwirklichen. In Gedanken war es immer in mir, aber ein Motivationsseminar vor ca. drei Jahren hat den Anstoß gegeben. Der Trainer hat uns u.a. ermutigt seinen Lebenswunsch oder seinen Lebenstraum aufzuschreiben und präsent zu machen. Und es hat gewirkt. Ich weiß von einigen Kursteilnehmern, die ihrem Ziel näher gekommen sind. Und wenn es „nur“ der „verrückte“ Kauf eines tollen Autos war.

Mit dem Jakobsweg bin ich zum ersten Mal 1987 in Kontakt gekommen. Damals war das Jakobspilgern nur unter totalen Insidern bekannt und seit damals wurde der Weg, und alles was damit zusammenhängt, immer bekannter. Nicht zuletzt mit dem Buch „Auf dem Jakobsweg“ von Paulo Coelho – ein Klassiker (1). In den letzten Jahren ist der Jakobsweg immer mehr ein sportliches Urlaubseventerlebnis für (leider) hunderttausende „Pilger“ geworden. Dazu hat im deutschen Sprachgebiet auch das Buch „Ich bin dann mal weg“ (2) von Hape Kerkeling, welches anscheinend jeder kennt, und auch der Film „Auf dem Jakobsweg – Brüder III“ beigetragen.

Mein Berührungspunkt mit dem Jakobsweg war die intensive Vorbereitung auf eine 14-tägige Pilgerreise mit dem Bus zum Grab des Apostel Jakobus d.Ä. nach Santiago de Compostella im Jahre 1988. Unser Rektorat, dem Hl. Jakobus geweiht, feierte damals seine 800-Jahre-Feier und die Pilgerreise war eine der Höhepunkte. Das Erleben des spirituellen Geistes auf dem Camino de Compostella mit vielen prachtvollen Stationen war prägend für mich. Zusätzlich hielt ich die Reise unserer Pilgerschar auf Video fest und ich habe daraus einen Film zusammengeschnitten und dann präsentiert. Unser Pfarrer hat mir damals das Buch „Der Weg der großen Sehnsucht“ geschenkt und damit ist meine Sehnsucht, den ganzen Weg zu gehen, erwacht.

Und jetzt ist es bald soweit. Ich freue mich schon darauf und bin gespannt, was der Weg für mich bereithält. Ich möchte gehen, mehr als 100 Tage und in Summe sicher gegen 3.000 km, um besser zu mir und mehr zu Gott zu finden. In welcher Reihenfolge das passieren wird, wird sich weisen. Am Beginn wird es sicher ein Abschütteln und Loslassen werden, bis der Geist frei und aufnahmefähig wird.
Es werden sicher auch schwierige Etappen und Stunden auf mich zukommen, aber mit Eurem geistigen Zuspruch, mit Gottes Hilfe und mit der Begleitung von Jakobus werde ich auf meine Wegspuren zurückblicken können. So wie bei dem bekannten Text mit den „Spuren im Sand“.

Spuren im Sand 

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?"

Da antwortete er: "Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen. www.brunnen-verlag.de


Zum Schluss noch sehr gute Ge(h)bote für (mich) Pilger:

Die 10 Ge(h)bote des Pilgers
1. Geh                   Es gibt fürs Pilgern kein besseres Fortbewegungsmittel als das Gehen. Nur Gehen! Darum geht es.
2. Geh langsam    Setz dich nicht unter unnötigen sportlichen Leistungsdruck. Du kommst doch immer nur bei dir selber an.
3. Geh leicht          Reduziere dein Gepäck auf das Nötigste. Es ist ein gutes Gefühl, mit wenig aus zu kommen.
4. Geh einfach      Einfachheit begünstigt spirituelle Erfahrungen, ja sie ist sogar die Voraussetzung dafür.
5. Geh alleine        Du kannst besser in dich gehen und offener auf andere(s) zugehen.
6. Geh lange         Auf die Schnelle wirst du nichts kapieren. Du musst tage-, wochenlang unterwegs sein, bis du dem (Jakobs-)Weg allmählich auf die Spur kommst.
7. Geh achtsam    Wenn du bewusst gehst, lernst du den Weg so an zu nehmen, wie er ist. Dies zu begreifen, ist ein wichtiger Lernprozess und braucht seine Zeit (s. Punkt 6)
8. Geh dankbar     Alles – auch das Mühsame – hat seinen tiefen Sinn. Vielleicht erkennst du diesen erst später.
9. Geh weiter        Auch wenn Krisen dich an deinem wunden Punkt treffen, geh weiter. Vertraue darauf: Es geht, wenn man geht.
10. Geh mit Gott   Es pilgert sich leichter, wenn du im Namen Gottes gehst. Wenn Gott für dich in weite Ferne gerückt oder inexistent ist, könnten dir die Ge(h)bote
1 – 9 helfen, das Göttliche in dir (wieder) zu entdecken.


Hinweise:
1) http://www.literaturschock.de/buecher/3257231156.htm
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Ich_bin_dann_mal_weg
3) http://www.film.at/de/id.6269393/detail.html