Donnerstag, 7. Juli 2011

Es geht mir gut

Liebe Freunde!
Gestern Abend hatte ich vor dem Abendessentreffen mit Erich, meinen Pilgerfreund seit Einsiedeln, noch die Möglichkeit, Lust und Zeit einen Besichtungsbummel durch das historische, auf einem Hügel gelegene Romont zu machen. Fast ganz um die Innenstadt führt eine Wehrmauer mit einem breiten begehbaren Weg, von dem man einen guten Eindruck über das alte Romont bekommt und man hat auch wunderbare Sicht in die Umgebung, die von diesem Blickwinkel gar nicht so nichtssagend ist. Ich laß von einer gerade aktuellen Skulpturenausstellung und konnte sie, beim Vorbeigehen, in einem Wehrturm finden. Ich wurde eingeladen die sehr tollen Exponate zu besichtigen. Es waren moderne Metallplastiken a la Bronzeguss mit Patina. Mir haben sie sehr gut gefallen. Leider konnten wir uns nicht so gut verständigen, dass ich die Technik und das Material erfragt hätte. Auf jeden Fall sind der Künstler und seine etwas deutschsprechende Schwester sichtlich zugängiger geworden, als ich ihnen auf französisch sagte, dass ich Österreicher und Jakobspilger sei. Ich wurde sogar eingeladen ein Glas Rotwein zu trinken.
So wurde die kleine Stadtbesichtigung noch wertvoller und mit Erich habe ich mich dann bei Spaghetti Carbonara gut unterhalten.

Das morgentliche Weggehen war im ersten Moment angenehm. Es waren am Himmel keine Reste der gestrigen kleinen Störung zu bemerken. Der Himmel war klar und es würde ein schöner Tag werden. Heute hatte ich es auch leicht, nur 15 bis 16 Km standen am Programm. Die Tourenplanung unter Bedachtnahme der gesicherten Quartiermöglichkeiten, ließ nur eine Kurzetappe oder eine überlange Gehstrecke (40 Km) zu. Ich habe mich für die kürzere Variante entschieden.

Vom Hügel der Stadt war ein reizvolles Hinterland zu sehen, doch leider führte der Weg in eine andere Richtung und zuerst durch ein unattraktives Industriegebiet. Hier und auch anschließend auf den Landwegen war es schon drückend schwül und mein Schweißtuch kam schon am frühen VM mehrmals in Verwendung.
Damit ich mir die Zeit beim Gehen vertrieb und nicht immer auf die Sonne und das Schwitzen achtete, zog ich aus der Tasche das Liederbuchgeschenk von Einsiedeln heraus und schlug wahllos eine Seite auf, bis ich ein Lied mit mir bekannter Melodie fand.
Ich probiere es also mit singen und folgendes ergab sich:
1) Ein Jäger aus Kurpfalz
2) My Bonnie is over the ocean
3) Lobet und preiset ihr Völker den Herrn. Hier hat der Text "... Grünende Fluren ..." sehr gut zur Gegend gepasst.
Irgendwie hatte ich, während ich laut singend durch die Landschaft zog, das Gefühl, dass die Kühe ans andere Ende der Weide flüchten und die Vögel am Baum zeigten ein eigentümliches Verhalten, sie stülpen ihre Flügel über ihre Köpfe. Wollten sie mir damit zu verstehen geben, dass sie mit meinem Gesang nicht einverstanden sind? Aber die kleine Geh- oder Hitzeschwäche habe ich damit schon übertaucht und ich konnte mit meiner Umwelt Frieden schließen. Ein schwacher aufkommender Wind machte nun das Gehen auch wieder leichter.

Bei Curtilles war die alte Kirche mit Glasmalereien aus dem 15. Jhd. leider geschlossen. Ich habe von dort, dem Rat des Führers folgend, eine andere und reizvollere Route genommen. Es ging dann rechts von der Broye flussaufwärts am Flussdamm dahin. Zu meiner rechten Hand ein großes reifes Weizenfeld und ein Grünstreifen. Der Dammweg wurde begrenzt mit einer schattenspendenden Birkenallee. Links dann ein breiterer Grünstreifen und die langsam dahinfließende Broye. Links waren zuerst hohe Einfräsungen in Felsmauern vom Fluss zu sehen. Es war sehr idyllisch.
Schon vor den Stadtgrenzen von Moudon traf ich einen älteren Herren, der mit seinem Auto an einem schattigen Platz Ruhe suchte. Beide waren wir deutschsprechend und er lud mich ein, mit ihm ein (Dosen)Bier zu trinken. Im Wissen, ich bin schon am Ziel, nahm ich das Angebot gerne an und wir beide setzten uns auf die Bank. Er erzählte mir noch, dass einige Minuten vorher ein Pilger, der wie ein Pirat aussah, vorbei ging. Das konnte nur Pilgerfreund Erich sein!
Ich habe von dem Mann ein Bier geschenkt bekommen, aber ich glaube ich habe ihm ein größeres Geschenk gemacht. Nur dadurch, dass ich mir Zeit genommen habe und ihm zugehört habe. In der Dreiviertelstunde habe ich seine ganze Lebensgeschichte gehört und auch seine gescheiterten Beziehungen. Er erwähnte zwar immer, wie gut es ihm gehe und wie viele Bekanntschaften er hätte, aber in seinen Worten war viel Einsamkeit zu spüren. Ich glaube, dass war heute eine von Gott gewollte gute Tat, einem Menschen nur zuzuhören. Ich bin dann mit Dank und mit lieben Wünschen ganz nachdenklich, aber auch dankbar, wie gut es mir geht, weitergezogen.

Moudon war dann schnell erreicht, aber das Touristoffice war dann schon für die Mittagszeit geschlossen. Ich besuchte dafür gleich die nebenliegende frühgotische Pfarrkirche und konnte mein Dankgebet für das Erreichen des heutigen Zieles verrichten.
Im nahen Supermarkt deckte ich mich für die Mittagsbrotzeit ein und im Schatten des Touristoffices stärkte ich mich und wartete auf die Öffnung nach der Mittagspause. Mir wurden einige Quartiere angeboten, dass annehmste war dann aber am Stadtrand. Mit Stadtplan versehen startete ich gleich zum Quartier los und vor dem Touristbrüo traf ich zufällig Kurzzeitpilger Thomas aus Hamburg wieder. Er sah ganz gelöst aus und berichtete, dass es ihm nun zuviel wurde und für seine letzte Etappe nach Lausanne zur Tochter, nehme er den Zug. Bon Camino, Thomas.

Mein Weg zum Quartier führte mich durch die Altstadt und über einen Hügel zum Chateau und dann entlang einer alten und engen Staße mit kleinen alten Häusern. Das war gleich ein kleiner Stadtbummel durch Moudon. Ein Blick zum Himmel reichte, den Schritt zu forcieren. Unbemerkt hatte sich der Himmel zugezogen und es sah nach Regen aus. Ich beeilte mich mein Quartier zu suchen und wurde sehr überrascht. Ich kam in ein sehr schönes und elegantes Haus und bekam ein reizendes Zimmer mit großer Terrasse mit Tischen und Liegen. Das Badezimmer verdiente die Bezeichnung "Zimmer", es war gut doppelt so groß, wie sonst oft mein ganzes Zimmer. Da fühlte ich mich gleich wohl. Und es kostet 50,- Franken. Wenn ich denke, was mir sonst oft zugemutet wurde (Jugendherberge, Merlingen usw.), da lebe ich nun wie Gott in Frankreich (wir sind auch in der französischen Schweiz).
Nach dem Waschen der Wäsche und meiner Wenigkeit, hat es wieder zum Regnen aufgehört und es ist auch wieder schön. So kann ich im Schatten auf meiner Terrasse liegen, ein Bier trinken, etwas schlafen und nun den Bericht schreiben.
Es geht mir gut, will ich damit sagen,
Euer Pilger Walter

Mittwoch, 6. Juli 2011

Gesucht und gefunden

Liebe Pilgerfreunde, die Ihr täglich mehr werdet. Das freut mich sehr, dass Ihr so Anteil nehmt an meinen Pilgerwegfreuden und -leiden (ich hoffe doch ohne Schadenfreude).

Nachzutragen wäre noch von vorgestern, von "Mamisheim", dass ich dort Blutspenden war. Zehn hiesige Gelsen fliegen nun mit Steirerblut herum, welches bekanntlich kein Himbeersaft ist (siehe Hödlmoser / Reinhard P. Gruber).
Im Zimmer waren, trotz Fliegengitter eine Menge an Blutsauger versammelt und 40 davon konnte ich beseitigen. Wie man nun an mir sieht und abzählen kann, habe ich um 10 heimtückische Gelsen zu wenig erschlagen.
Ich hätte am NM schon stutzig werden sollen, als die Bäuerin stolz von 30 Schwalbennestern berichtete. Und was fressen die Schwalben? Jede ca. 100.000 Gelsen. Damit gibt es dort 3 Millionen dieser Blutsauger und die konnte man in der Abendsonne schwärmen sehen.

Der Tag begann etwas kühler und man erkennt eine beginnende Wetterveränderung. Aber lange wirkt die kühlere Morgenluft nicht, dann wird es warm und schwül. Den ganzen Tag wechseln Sonne und bedeckter Himmel ab. Etwas angenehm ist ein wenig Wind.
Ich marschiere vom Stadtrand weg. Das ist heute praktisch, dass ich gestern bis hier her zum Bildungszentrum gegangen bin. Ich treffe im Quartier am Abend auch Thomas einen Kurzpilger (Thun - Lausanne) aus Hamburg wieder. Wir haben gemeinsam im Matrazenlager am Campingplatz geschlafen und uns immer wieder kurz getroffen. Wir sind in dem Bildungshaus die einzigen Pilger. Wir nehmen gemeinsam das Abendessen ein und zwei Jesuiten in Zivil essen mit uns. Es entstehen interessante Gespräche und ich konnte von meinem Weg schon viel berichten, wie ich das lange Pilgern empfinde. Besonders beeindruckt mich ein 91-jähriger Pater mit sehr wachem Geist, mit dem zu diskutieren eine Freude war.
Thomas wollte noch das historische Freiburg besichtigen, was ich verstehen konnte, aber nocheinmal 2-3 Km zurück und wieder heimgehen, dass tat ich meinen Beinen nicht an. Etwas, ich glaube das Wichtigste, habe ich von Freiburg gesehen. Ich muss mit meinen Kräften auch haushalten und im Bildungszentrum ist es gemütlich und ein gutes Vierterl Rotwein tut sein übriges.

Bald nach dem Weggehen geht es abwärts durch eine kleine Schlucht und dann über eine historische Römerbrücke. Dort steht auch eine alte Kapelle, die der Hl. Appoline geweiht ist.

Bei der Kirche von Ecuvillens, zu der ich auf Verdacht hingegangen bin, weil schon eine Weile keine Wegweiser zu sehen waren, bekam ich "Besuch" aus der Heimat. Zwei Radpilgerinnen schoben ihr Rad auf den Kirchplatz. Ich grüße mit einem Bonjour und höre vorher noch einen deutschen Wortfetzen. Ich frage, sprecht ihr deutsch?
"Ja, wir sind aus Österreich!" kommt es spontan.
"Ich auch, aus der Steiermark."
"Sind sie, bist du - der, der aus Leoben weggegangen ist?"
Ich bin perplex, woher kennen die mich? Es stellte sich heraus, dass es Priska aus der Teichalmgegend ist und ihre Schwester/Schwägerin (so genau weiß ich es nicht mehr), Judith aus Tirol. Von ihrem Partner Herbert, Bademeister und Saunaaufgießer im Leobener AsiaSpa, wo ich wöchentlich schwitze, hatte Priska von mir gehört und sie haben schon nach mir Ausschau gehalten. Die Beiden fahren, nach dem durchwanderten österreichischen JW, heuer schnell mit dem Rad durch die "teure" Schweiz.
Der Zufall, sich hier im entlegendsten Viertel getroffen zu haben, erstaunt uns sehr. Ich gebe den beiden Radpilgern, deren Weg nur bis Genf geht, noch Grüße für die Top-Saunawachler, Herbert, Peter und Wolfgang mit und lasse auch das Actic-Fitnessteam grüßen und weiter gehen unsere Wege - sie auf Straßen und ich auf Wegen.

Vom Weg gibt es heute nicht viel zu berichten. Die Landschaft ist ländlich geprägt, aber ohne Akzente. Auch die Häuser haben keine Besonderheiten aufzuweisen. Sie könnten überall stehen. So wird das Gehen fast langweilig. Etwas Interessantes gibt es vom Hausbau zu berichten. Bevor hier zu Bauen begonnen wird, werden die Umrisse und Höhen mit langen Stangen ausgesteckt und man kann im Vorhinein erkennen, wie sich der Bau in die Landschaft einfügt bzw. wie sehr Nachbarn vom Neubau betroffen sind. Ich finde das klug.

So gehe ich durch eine Gegend, die nicht viel hergibt und ich werde müde, auch im Geist. Man geht und geht.
Ich habe ein Lokal zum Essen gesucht, aber das Einzige im Mittagszeitrahmen, verhieß keine Pilgerpreise - Menü ab 25,- da gehe ich doch lieber weiter. Aber nach einer Zeit brauche ich eine Pause und etwas zu essen (Geschäft war in der abgelegenen Gegend auch keines zu finden). So habe ich ein liebes Angebot bei einer Scheune angenommen. Die Besitzer haben einen kleinen Tisch mit zwei Sesseln bereitgestellt. Am Tisch stand eine Blumenvase mit Feldblumen und an der Wand war eine Tafel mit der Einladung hier Pilgerrast zu machen, was ich auch gerne tat.
Als Menü gab es heute, ein Keksmenü aus dem Rucksack - Mürbgebäck mit Haselnusskrokant - dazu klares Eau. Als Nachspeise gönnte ich mir noch einen Apfel vom Frühstücksmenü.
So fugal war heute das Mittagessen eines richtigen Pilgers.

Vielleicht war auch das entgangene Mittagsmahl schuld daran, dass sich der Weiterweg zog wie ein Strudelteig. Es ging fast nur auf uninteressanten Nebenstraßen und betonierten Feldwegen dahin. Über viele Kilometer konnte ich erkennen, wohin der Weg ging und ich maschierte teils schwitzend, wenn wieder die Sonne durchkam, dahin. Wenn ich dann hochblickte, kam mir der Ort weiter entfernt, als näher gerückt vor. Das motiviert dann nicht.
Seit den VM-Stunden sehe ich links von mir, auf einem entfernten Berg einen großen Senderturm stehen und jetzt am frühen NM hat sich der verflixte Turm noch immer nicht weiterbewegt. So ist es heute ein mühsames Gehen ohne dass man Antrieb zum Weitergehen findet.
Wer nun kommentieren will, dass ist zum Eingewöhnen für später, für Frankreich oder Spanien, dem sperre ich den Zugang zu meinem Tagebuch :-)

Gegen 15h war diese ca. 29 Km lange Strecke fast absolviert. Der letzte steile Anstieg zur historischen Stadt Romont, war trotz müder Füße fast eine angenehme Abwechslung zum eintönigen Wandertag.
Wie ich zur Kathedrale und zur Touristinfo hochsteigen will, höre ich hinter mir eine bekannte Stimme, meinen Namen rufen. Es ist Erich, der schon ein paar Stunden hier ist und mich in Thun überholt hat, weil er mit dem Schiff den See überquerte. Wir umarmten uns voller Freude. Er begleitete mich noch auf der Quartiersuche und wir verabreden uns am Abend in einem naheliegenden Restaurant.
Übrigens, Erich hat den Tag ähnlich erlebt. Er war Romont nur näher und brauchte heute einmal einen halben Erholungstag.
Das einfach B&B-Zimmer kostet heute mit Frühstück 47,- CHF und liegt aber zentral hinter der interessanten Kirche mit alten und schönen Glasfenstern. Somit werde ich mich jetzt noch ein wenig umschauen.

Ich grüße Euch
Euer Pilger Walter

Dienstag, 5. Juli 2011

Freiburg

Ich verabschiede mich von dem gastfreundlichen Haus, wo ich mich fast wie zu Hause bei Mami :-) fühlte. Bezeichnenderweise heißt der Ort "Mamishaus" - ehrlich, 3152 Mamishaus, kurios nicht wahr?
Übrigens die gastfreundlichen Bauern lassen sich den großen Apfelmost, das Brot für die Abendjause (mein diesmal mit der Wurstmaschine hauchdünn geschnittenes Bündnerfleisch), den Kuchen und die Waschmaschinenbenutzung nicht bezahlen, nur die konsumierten Biere.

Ein prachtvoller Morgen gibt mir Schwung in den Tag und ich genieße weiter die schöne und stille Gegend.
In Schönentannen (ich habe keine gesehen) gibt eine gefinkelte und unklare Wegmarkierung. Zum Glück sind meine Sinne wach und ich finde den JW. Ein klein wenig Unachtsamkeit und man geht irre.
Überhaupt sind die Markierungen am heutigen Tag oft dürftig. Es gibt oft nur "Ahnungswegweiser" - man kann nur ahnen, wohin der Weg geht.
Aber trotzdem habe ich mich nie verlaufen - das ist doch etwas.
Heute führt der Weg über einige sehr interessante alte Römerwege, die teils aus den Felsen gehauen wurden. Sie hatten eine grobe Steinpflasterung mit Spurrillen. Das hat eine Ahnung entstehen lassen, wie beschwerlich das Befahren und Begehen dieser Wege vor Jahrhunderten gewesen sein muss.
Meinem Spinnzehen hat dieser holprige Teil ganz und gar nicht gefallen.

Nun habe ich wieder eine Kantonsgrenze überschritten - von Bern nach Freiburg. Und fast genauso hat sich auch das Landschaftsbild verändert. Stärker hügelig und eine andere Art von Landwirtschaft, größer und eher wie bei uns.
Die ersten Getreidefelder werden geerntet und ich ernte von einem Zwetschkenbaum die ersten Zwetschken der Saison. Sie sind schon gut zu essen, aber in einer Woche sind sie vollreif.
Die Sonne schickt ihre Strahlen schon sehr konzentriert auf mich Pilger und das Schwitzen beginnt.

Mit dem Kanton Freiburg wird es mit einem Schlag wieder katholisch. Gut zu bemerken, es gibt wieder Wegkreuze und Kapellen. Nun weiß ich, was mir in den letzen Tagen abgegangen ist: Das Bekreuzigen, Grüßen und Beten an diesen Stellen. Das ist für mich schon so ein liebgewordenes "Ritual" und ich werde an Gott und die Heiligen erinnert.
Vor einem Dorf gelange ich am Wegrand zu eine lieben und neuen Jakobskapelle mit einer ganz schönen und großen Jakobsstatue, leider hinter Glas. Das nehme ich zum Anlass mich auf den Bank nebenan auszuruhen. Drei Pilger(innen) gehen an mir vorbei, aber keine(r) würdigt der kleinen Kapelle und dem Hl. Jakobus nur einen Blick. Soviel zum Jakobspilgertourismus heutzutage.
Ich schreibe noch ein Jakobsgebet ab (siehe bei PS). Vielleicht kann ich zuhause in St. Jakob damit etwas gestalten.

Im Ort mache ich gerne einen kleinen Umweg zu der Kirche und stehe wieder einmal, ich weiß gar nicht mehr seit wieviel Tagen, in einer katholischen Kirche in ihrer ganzen Pracht. Hier und auch in der Kirche des nächsten Ortes halte ich dankend Andacht.

So wird es Mittag und immer heißer. Das kühle Brunnenwasser wird auch schon warm und bringt keine Erfrischung mehr. Ich beschließe im letzen Ort vor Freiburg bei einer Bar zuzukehren, um zu essen und die ausgeschwitzte Flüssigkeit aufzufüllen. Eine gute Spätzlepfanne mit Gemüse, Pilzen und etwas Schinken schmeckt und sättigt und kostet nicht viel. Mit dem Apfelsaft 17,30, das geht.
Nur das Weitergehen war danach noch schwieriger. An der Straße und auf den Gehsteigen brütete die Hitze. Erst auf offenen Wiesenwegen wurde es etwas besser. Ich komme dann in einen kühlen Wald und da hat doch ein sehr lieber Mensch den Weg mit Hackschnitzeln ausgelegt. Aaahh, das ist eine Wohltat zum Gehen, nur leider ist dieser weiche Teppich nur ein 200 bis 300 Meter lang und es geht in der Sonne und auf Geröll weiter.
Jetzt windet sich der Weg in alle Himmelsrichtungen und ich komme mir bald vor wie am Grillspieß - von allen Seiten gebraten.

Nicht mehr lange und Freiburg, mein heutiges Ziel wird sichtbar. Jetzt heißt es die Französisch Kenntnisse vom Kurs aus den hintersten Hirnwindungen hervorzuholen. Ich bin überrascht, es fällt mir tatsächlich noch was ein. Aber hier ist es noch nicht so streng. Vielfach versteht man noch deutsch.
Freiburg ist eine historisch bemerkenswerte Stadt und ich würde sie gerne ein wenig besichtigen. Man marschiert vom Hügel kommend steil abwärts an Wehrtürmen und Mauern vorbei fast zum Fluss hinunter, um dann steil wieder nach oben zur schon weit sichtbaren hochgotischen Kathedrale zu kommen. Freiburg liegt rundherum auf Hügeln und das macht das Begehen nicht einfach. Umso mehr freut es mich, die Kathedrale von ganz nahe gut als Fotomotiv vor mir zu sehen. Natürlich besuche ich sie und verweile eine kurze Zeit. Dann wird es Zeit, sich um ein Quartier, möglichst zentrumsnah zu finden, was auf Billig kaum machbar ist. So gehe ich fast einen KM bergauf zum Tourismusbüro am Bahnhof. Vielleicht können die mir helfen. Eine nette und deutsch sprechende Frau gibt mir den Tipp, vom Bildungszentrum der Jesuiten, 2-3 Km außerhalb der Stadt, dort wo morgen der Weg weitergeht. Dort kostet die Unterkunft mit Halbpension für Pilger nur 55,- Franken, statt 69,-
Ja, das nehme ich und die Frau fragt telefonisch an und reserviert. Das ist fein und ich bedanke mich. Und dann kämpfe ich mich durchs heiße Freiburg bis zum Quartier, wo ich sehr freundlich aufgenommen werde. Das Zimmer ist toll und auch die gesamte Infrastruktur lässt sich sehen. Es gibt sogar einen Pool.
Nun darf geratet werden, was ich den Rest des NM getan habe. Entweder bin ich wieder den Weg in die heiße Stadt gegangen, um sie zu besichtigen oder ich bin in den Pool gesprungen und schreibe danach bei einem Bier um 2,- den heutigen Bericht. Erraten?

Das wars für heute. Vor sechs gibt es eine Messe und um halb sieben dann das Abendessen, vermutlich mit anderen Pilgern.
Es grüßt Euch,
Euer Pilger Walter

PS: hier das Jakobsgebet

Segne du Jakobus

Segne, Sankt Jakobus, deine Pilgerschar,
die in deinen Spuren wandelt manches Jahr.
Lass uns auf den Wegen Gottes Weg versteh'n.
Gib uns deinen Segen, wenn wir weitergeh'n.

Segne, Sankt Jakobus unsere Schritte du.
Wenn den Weg wir fehlen, ruf das Ziel uns zu.
Schütz uns vor dem Unheil, vor des Bösen Wut,
stets mit deinem Mantel deinem Pilgerhut.

Segne, Sankt Jakobus manchen schweren Gang.
Stärke uns und tröste, denn der Weg ist lang.
Ohne deine Hilfe schaffen wir es nicht.
Stille unsre Sehnsucht, führe uns ins Licht.

Wenn nach vielen Scherzen wir dein Grab erreicht,
wird es in den Herzen, in den Seelen leicht.
Was wir so vollendet, sei ein Anbeginn,
sei neues Denken, neuer Weg und Sinn.

Wenn wir einmal sterben bleib auch dann uns treu,
dass der Lebens Fülle unsere Zukunft sei.
Mögst uns dort erkennen, und empfangen gern,
uns beim Namen nennen, führen dann zum Herren.

Montag, 4. Juli 2011

Ein wunderbarer Tag

Lieber Gott, heute danke ich Dir ganz besonders für diesen, meinen bisher schönsten Pilgerwandertag. Die letzten Gehtage, bei den Seen und Bergen, hast Du mich Deine Werke bestaunen lassen. Heute aber spüre ich Dich und Dein werken.
Dein Pilger Walter
Helga St. stimme bitte für mich das Lied an "Ein wunderbarer Tag ...".

Liebe Pilgerfreunde,
für Euch singe ich "So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfe nie vergehn ..."

Es ist/war mein schönster und innigster Pilgertag. In solch schönen Gebieten, auf solchen Wegen und bei Begegnungen mit den lieben Menschen, sollte der Pilgerweg weiter gehen. Da machen auch die zwei steilen 200Hm Anstiege nichts, man ist einfach beschwingt und fröhlich.
Vielleicht hat dazu auch beigetragen, dass ich heute hoffentlich das kostenfressende Datenproblem gefunden habe. Es hängt vermutlich mit den Navi-Funktionen des Handys zusammen. Es sollte eigentlich offline funktionieren und ich habe eine x-malige Meldung irrtümlich bestätigt, statt abzulehnen. Ich teste es heute noch aus und wenn es das war, dann brauche ich die Berichte nicht einstellen. Anderseits könnte ich es mir nicht leisten täglich bis zu 40,- Kosten auf mich zu nehmen.
Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.

Begonnen hat der Tag schon sehr früh. Im ersten Grau wachte ich einmal auf, weil sich ein Drang meldete. Nein, ich stehe nicht auf und gehe nicht zu nachtschlafender Zeit quer durch den Campingplatz zum WC. Ich versuche weiter zu schlafen und es gelingt leidlich. Um 5:30 wird das Drängen stärker - ein bischen noch durchhalten. Um 3/4 6 hilft nichts mehr und ich gehe gleich mit dem Waschzeug auf Wanderschaft. Im linken Wohnwagen werde ich von einem Schnarcher begrüßt, rechts hustet ein starker Raucher seine Seele aus dem Leib und eine Katze streunt über den Platz. So komme ich zu den Sanitäranlagen. Und dann ein tolles Gefühl sich im Freien, bei gefühlten 10 Grad, zu waschen, wobei der Wasserhahn nur einen Drehknopf hat und der ist mit einem blauen Punkt markiert. So verzichte ich heute auf die Rasur.
Auch gestern beim Duschen wären 4 Franken fürs Warmwasser zu zahlen gewesen. Ich bin doch kein Warmduscher und Weichei, das kalte Wasser ist viel besser für die Haut und erfrischt nach einem warmen Tag so richtig. Hoffentlich ist das Tinkwasser für die Flasche auch so kalt, denke ich mir dabei.
Ich liebe dieses Campingplatzfeeling und räume leise meinen schon gestern im Vorraum deponierten Rucksack ein, damit mein Zimmerkollege nicht wach wird.
Beim Verlassen des Campingplatzes sehe ich zum Hotel hinüber und stelle fest, das kein einziges Auto auf einen Gast und auf volle Zimmer hinweist. Auch gestern abend waren nur Einheimische im Restaurant. Die Wirtin wollte nur keine Arbeit.
Mangels Frühstücksangebot bin ich zur Bäckerei zurück gegangen und habe dort ausgiebig gefrühstückt.

Ich marschier somit schon vor sieben Uhr weg und folgte einem Dammweg durch eine Aulandschaft. Auf einer Wiese sehe ich meinen langen Schatten heute links von mir und später dann auf der Position 7Uhr.
Wer mir nun sagen kann in welche Richtungen ich da gegangen bin gewinnt ein Gebet von mir am JW.

Es ist ein sehr gutes Gehen durch eine liebliche ländliche Gegend. Die Stille und die von der Morgensonne gelb beschienen Wiesen und Felder der hügeligen Landschaft lassen meinen Geist wach und meine Seele offen sein.

Wie ich nach Wattenwil durch diese anmutige Landschaft gehe, rechts und links von mir Weidewiesen mit kräftig läutenden Kühen, da fällt mir noch eine Episode vom 2. bzw 3. Schweiztag ein. Es ist am Tag nach Wattwil beim Frühstück nach dem "Schlafen im Stroh".
Mit der Bäuerin plauderte ich auch über die Almen und die (Gefahren mit den) Rindviechern. Sie erzählte mir von einer Wanderin, die klagte, dass ihr immer die Rindviecher nachlaufen und sie wäre schon ganz verängstigt. Das sei ungewöhnlich und die Bäuerin ließ sich die Ausrüstung beschreiben. Unter anderem hatte die Wanderin über den Rucksack einen dottergelben Regenschutz gespannt. Da wusste die Bäuerin Bescheid. In der Schweiz, vielleicht auch bei uns, wird das für die Rindviecher leckere Kraftfutter in dottergelben Eimern auf die Weide getragen. Man sieht diese Kübel auch immer wieder. Und die Wanderin geht mit solch gelben Rucksack durch die Weide und Kuh, Kalb, Ochs und Stier sehen "Dottergelb" und es läuft ihnen das Wasser aus dem Mund. Nichts wie hin zu dem Kraftfutterspender auf zwei Füßen!
MERKE, oh Wanderer:
Wenn du eine Alm- oder Weidewanderung machen willst, dann erkundige dich beim zuständigen Bauern, in welchen Gebindefarben das Kraftfutter ausgetragen wird. Und du Wanderer wähle dann eine andere Ausrüstungsfarbe, sonst bist du für die Rindviecher nur leckeres Hamm, Hamm.

Ich gehe nun schon beim geschätzen 50. Waldlehrpfad vorbei. Alle lehrreich und interessant angelegt. Wenn ich mich in das Studium dieser Tafeln mehr vertieft hätte, könnte ich dann Professor an der Boku (für alle Nichtösterreicher: Universität für Bodenkultur) werden.
Dann komme ich, wie schon Tage davor, an überreifen Kirchbäumen vorbei. Die Kirschen leuchten rot und locken, aber man weiß Kirschen und Wasser verträgt sich nicht. Aufs Wasser kann ich nicht verzichten, also dann verzichte ich auf die saftigen Kirschen. Nur eine oder zwei gönne ich mir und die sind direkt vom Baum ganz lecker.

Heute ist auch ein Tag mit ganz freundlichen Menschen am Wegrand, mit denen ich ins Gespäch komme und die auch in paar Meter mit mir gehen. Wer sagt, das ich am JW allein bin? Ich fühle das nicht so. Gott und Jakobus sind sogar immer bei und mit mir. Ich muss sie nur anreden, so wie die Menschen am Wegrand. Eigentlich ist mir dabei Gott begegnet.

Zwei schöne und alte Kirchen kann ich besuchen und dort beten. In Rüeggisberg steht eine alte und sehr schöne Klosterruine eines Cluniazenser Ordens.
Gleich hinter der Ruine habe ich ein weiteres nettes Erlebnis. Im Schatten eines Strauches sitzt ein etwa zehnjähriger Bub mit seiner dreijährigen Schwester. Sie haben einen kleinen Tisch vor sich und bieten dort Getränke und Äpfel zur Labung für Pilger zum Verkauf an. Die ausgebreiteten Knappergebäckstücke gibt es gratis. Ich kaufe ihnen gerne einen Apfel um 50 Rappen ab und wünsche noch guten Geschäftserfolg.

Wegen des frühen Starts heute morgen, kann ich entspannt gehen, den ich habe einen Zeitbuffer. Trotzdem bin ich bis Mittag schon recht weit gekommen. Wieder einmal unten im Tal komme ich zum einsam gelegenen Gasthaus Lamm, welches auch im Führer erwähnt wird. Hier will ich Mittag halten und habe eine gute Spürnase gezeigt. Hier gibt es sechs Menüs mit Suppe, Hauptspeise und Dessert um je 16,50 CHF. Ich entscheide mich nach der Tomatensuppe mit frischem Weißbrot, für einen Rindsjägerbraten mit Pommes (die müsten nicht sein) und Gemüse. Ich bekomme einen großen Teller mit zwei mit Speck umwickelten und gegrillten Rindsschnitzel und die Pommes und bestes gedünstetes Gemüse (10 Sorten). Als Nachspeise gibt es noch einen kleinen Bananensplit. Ich schlemme und freue mich über dieses wohlfeile Mahl. An dem kann es nicht liegen, dass in dem Monat des Marschierens meine Hosen weiter geworden sind und sich in meinen Wangen reizende Grübchen zeigen :-)

Gut gestärkt marschiere ich in der Frühnachmittagssonne weiter, aber ohne Zeitdruck. Einmal geht es noch recht kräftig nach oben, wo ich dann auf gewonnener Höhe durch die schöne Gegend wandere.
Heute wollte ich ca. 30 Km bis nach Schwarzenburg gehen und morgen wären es aus Quartiergründen bis Freiburg nur 21 Km gewesen. So dachte ich, wenn ich am Weg vor Schwarzenburg einen Bauernhof mit Zimmerangebot finde, dann bleibe ich gleich dort. Und so war es auch, eine Ankündigung für B&B (Bed&Breakfast) ließen die paar hundert Meter meine Schritte hurtig werden, damit mir ja kein Zimmerkonkurrent das Zimmer vor der Nase wegschnappt. Dabei bin ich mutterseelenallein unterwegs. Ja, wird mir freundlich geantwortet, es gibt ein Zimmer und es kostet mit Frühstück für die Schweiz günstige 40,- CHF und so schlafe ich heute in einem Zimmer, dass sich auch so nennen darf, am Bauernhof. Da fühle ich mich wohl. Es ist früher NM und ich kann alles erledigen. Zuerst kann ich in der Waschmaschine wieder die ganze Wäsche waschen. Das ist praktischer und die Wäsche wird sauberer.
Nach meiner eigenen Wäsche, gehe ich zur Bäuerin hinunter und bestelle mir einen Apfelmost (süß und alkfrei) mit Wasser. Ich bekomme noch einen Kirschenkuchen angeboten und beim Sitzen und Essen kann ich schon viel erzählen.

Jetzt reicht mir das Herumgetippe auf dem Handyklavier und beende meinen Bericht. Aber nicht ohne Euch allen zu erzählen, dass ich gerade ein SMS bekommen habe, in dem geschrieben steht, dass mein Enkerl Lukas heute seine ersten Schritte gemacht hat. Ich schrieb schon eingangs, das heute ein wunderbarer Tag ist. Ich glaube, die Schlussetappe geht er schon mit mir mit :-)
Euer mit dem Tag glücklicher und stolzer Pilgeropa Walter

Sonntag, 3. Juli 2011

An der Riviera

Liebe Freunde!
Ich beginne den Bericht mit gestern abend. Der Wirt war nicht unbedingt die Freundlichkeit in Person. Am späten Frühstückstermin 8h ließ er nicht rütteln. Er will nicht bis 1h morgens hinter der Theke stehen und dann so früh aufstehen. Auch 1/2 8 war ihm nicht zu entlocken, also muss ich mich fügen und später mit meinem Weg beginnen.
Am Abend hatte ich dann einmal Lust auf ein kleines Glas rotem Pilgerwy und da sah ich wie das Thekenstehen vom Wirten aussah. Er saß bei anderen Gästen und die Bedienung musste ihm Glas um Glas Wein bringen.
Am Morgen bin ich dann gewitzt, schon 10 Minuten vor 8h zum Frühstück gegangen. Die Bedienung, eine andere als am Abend, wartete schon mit fertig vorbereiteten Frühstück. Da habe ich den ungastlichen Wirt, wer weiß wohin gewünscht. So wie er das Hotel betreibt, kleinste Zimmerchen mit kaum mehr als 5 m2 und einfachster, alter und 100fach abgeschrieber Einrichtung, läßt sich von Pilgern gutes Geld machen. Wobei, ich muss sagen, alle biligen Zimmer um 60 CHF in der Schweiz, waren klein und einfachster Standard.

Der heutige Weg geht entlang der Riviera des Thunersees. Es ist landschaftlich sooo schön und das Klima ist an den Hängen sehr mediterran.
Vom milden Klima merke ich am Morgen, es war schon fast halb Neun, nichts. Es war zwar ein traumhaft schöner Morgen, nur sehr frisch, fast noch kalt wie im März. Aber hinten geschützt vom Rucksack wird einem beim Gehen bald warm. Vor allem wenn es so weitergeht, wie der gestrige Tag. Nach dem Ort geht es, richtig erraten, wieder saftig nach oben. Aber die Aussicht entschädigt für den Schweiß beim Raufkämpfen. Natürlich geht es bei Gunden, der Perle vom Thunersee wieder nach unten. Sonst würde man die Perle ja nicht sehen - auf die eine Perle mehr oder weniger könnte ich pfeifen, wenn eine ganze Perlenkette hinter- und voreins liegt. Trotzdem bleibe ich beim angegebenen Weg und bin ein folgsamer Pilger. Wieder am Hang oben und 100Hm mehr in den Beinen, sieht man warum das Teilstück die Rivera des Thunersees genannt wird. In diesem milden Klima gedeihen an den steilen Sonnenhängen Feigen, Kiwi und auch Wein. Es ist 9h und ich denke an zu Hause. In der Jakobikirche feiern sie jetzt die Messe und ich kann im größten Gotteshaus der Waldkathetrale beim Gehen beten und singen. Das sind schöne Momente.
Wieder unten im nächsten Ort, komme ich endlich wieder einmal zu einer Kirche (evangelisch natürlich). Ich will sie kurz besichtigen, auch wenn die evangelischen Kirchen eher schmucklos sind. Aber ein Gebet kann ich auch hier sprechen. Es ist gerade Messe und Sonntag ist auch. Also gehe ich hinein und setze mich in die letzte Reihe. Hier höre ich der (langen) Predigt zu. Dann gehe ich aber weiter, ich bin durch das späte Frühstück schon spät dran.
Hinauf und wieder im nächsten Ort hinunter und ich komme zu einem besonderem Blickpunkt direkt am See. Das Neurenaissance-Schloss Hünegg bietet prachtvolle Fotomotive.
Jetzt geht es weiter, der Stadt zu, von der der See seinen Namen hat. Die Stadt Thun ist eine große Stadt (37.000 EW), was ich dann bei der Durchwanderung leidvoll zur Kenntnis nehmen muss.
Man wandert zielstrebig an der Aare auf Gehwegen der Stadt zu, dann kann man den Fluss endlich bei einer alten und gedeckten Holzbrücke überqueren. Diesen Moment hätte ich genießen sollen, denn hier war das letzte JW-Zeichen durch die ganze lange Stadt. Wenn ich nicht in meinen Führer wichtige Anhaltspunkte nachlesen hätte können, wer weiß wohin ich gegangen wäre. Obwohl blöder hätte ich auch nicht gehen können. Es gab nur die bekannten und für alle Wege gültigen Tafeln mit dem Aufdruck "Wanderweg". Nur wohin und welcher Weg, war nie ersichtlich. Diese Tafeln führten wohl auch zu wunderbaren Stellen am Ufer des Sees mit Blick auf die Jungfraugruppe (das sind hohe Viertausender und keine Mädchens!!!). Und es gab hunderte Touristen und ich dazu wie ein bunter Vogel der angeglotzt wird. Bei einer sehr alten Marienkapelle habe ich dann ein Aha-Erlebnis, wie ich sie betreten will. Eine Frau im typisch bundesdeutschen Dialekt, spricht mich an und meint: "Sie gehen jetzt da hinein, weil sie einen Stempel haben wollen!?". "Nein, ich besuche alle Kirchen um zu beten!", war meine Antwort. Sie schluckte und ging desperat weiter.
In einem nicht zu durchschauendem Zickzack ging es entlang oder entfernt vom See einen Riesenbogen bis hinaus aus der Stadt, dabei kann man auf den Führerkarten erkennen, dass die Luftlinie viel kürzer sein muss. Das und das Nichtwissen wo man ist und ob man richtig geht, ist nervtötend und ärgert mich. Eine so große Stadt hat es nicht notwendig gute und informative Richtungstafeln aufzustellen. Es kommt wie es kommen muss. Ich folge einem "Wanderweg" und finde mich bald Richtungstafellos auf eine Durchzugsstraße - grrrr. Nun muss ich mich in der Mittagshitze an dieser Straße weiter durchkämpfen, so nach gut Glück und wie es mein Orientierungssinn sagt. Das bessert meine Laune nicht.
Endlich erreiche ich den Nachbarort und ein im Führer beschriebenes Restaurant. Hier mache ich Rast und halte Mittagsmahl. Beim Weitergehen sehe ich gleichdarauf die bekannten Richtungstafeln und die JW-Markierung - Juhuu, aber etwas zu früh gefreut. Auf den Tafeln finde ich keinen einzigen Ort, von dem ich im Führer lese. Ich gehe aber trotzdem diesen Weg weiter, wenn auch nicht mit bestem Gefühl.
Es geht wieder nach oben, aber diesmal bleibt der Weg oben. Hier hat sich das Panorama geändert. Links von mir begleitet mich zwar noch eine imposante Gebirgskulisse, aber vor mir und nach Norden hin, zeigt sich jetzt eine liebliche und sanfte Hügellandschaft. Der Weg geht an schattigen Waldrainen und über Wiesenfuhrwegen entlang. Die Gegend ist wieder sehr ländlich geworden. Nach diesen, wohl sehr schönen Tagen, entlang prächtigster Landschaftsformen und geprägt vom Fremdenverkehr, ist diese stille und liebliche Gegend für mich wie Balsam. Jeder Wegärger ist weggeblasen und ich gehe auch nach einem langen Gehtag mit Freude weiter.
Im nächsten Ort, Amsoldingen (oder so ähnlich - meine Daten habe ich beim Essen nicht mit), gibt es die Überraschung des Tages und der letzen Zeit. Ich komme zu einer wunderbar romanischen und unverfälschten Kirche. Es ist ein Juwel an romanischer Baukunst, an der keine Generationen herumgepfuscht haben. Hier spürt man eine starke Kraft und ich gehe mit einem glückseeligen Gefühl etwas Schönes und Beeindruckendes gesehen zu haben, weiter.
Mein Zielort Blumenstein ist nach 30 Km nicht mehr weit entfernt. Hoffentlich hat Peters Zimmerreservierung von gestern im Hotel Bad geklappt. Bestätigung ist keine gekommen. Leider hat es auch nicht geklappt. Die unfreundliche und gestresst wirkende Wirtin meinte, sie kann nicht 24 Stunden am PC sitzen. Es hätten schon fünf Minuten gereicht.
Es ist kein Zimmer frei oder sie wollte keines hergeben, weil sie morgen Montag geschlossen hat. Sie hat mir ein Matrazenlager im Camingplatzbereich angeboten. Das wars nicht, was ich wollte. Warum nicht, war ihre Frage. Sechzig Jahre, müde Glieder, ungestörten Schlaf, waren meine Argumente. Es half nichts. Entweder auf die Unbestimmte weitergehen oder .. - nichts oder. Es gab keine Alternative, aber bis jetzt (16:30) sei ich der einzige Gast. Na gut, in Gottes Namen ich nehme es und zahle 18.- CHF ohne Frühstück. Aber naheliegend soll es eine Bäckerei geben, bei der ich ein Frühstück bekommen kann. Ich werde durch den Campingplatz, dessen Sanitäranlagen ich benutzen muss, in ein altes Haus geführt und unter dem Dach gibt es ein heimelig wirkendes Lager. Es ist nicht so schlecht und wenn ich alleine bleibe, passt es.
Jetzt sitze ich im Restaurant und habe gut gegessen und mit meiner Welt zufrieden.

Euch liebe Freunde schicke ich liebe Grüße aus der immer mehr fanzöselnden Schweiz.
Bleibt mir treue Leser,
Euer Pilger Walter

PS: gerade ist noch ein Pilger angekommen, also doch nicht alleine.

Samstag, 2. Juli 2011

Immer wieder, aufi und nieder

Liebe Pilgerfreunde, die Ihr bequem im Sofa sitzt und meine Pilgerreise lesend verfolgt.
Ich sitze jetzt auf der sonnigen Veranda vor meinem Zimmer in Merlingen (halbe Seelänge des Thuner Sees). Während ich diesen Bericht schreibe, schweift mein Blick immer wieder auf den See hinunter, wo der Segelboote und Surfer den Wind für ihr Aufkreuzen nutzen. Dahinter sind mächtige Bergstöcke des Berner Oberlandes zu sehen. Jetzt, hier am heutigen Etappenziels geht es mir gut, auch wenn die Füße noch gut spürbar sind. Mein Abendbrot habe ich mir wie gestern selbst besorgt. Es waren auch nur Brötchen und Bier notwendig. Das Dazu, einen Block besten Bündnerfleisches, habe ich von Monica und Alex bekommen und so genieße ich diese Köstlichkeit, fein geschnitten mit einem Schweizer Messer (was sonst).

Was hat der heutige Tag so gebracht?
Ein prachtvoller Tag kündigte sich an, mit gutem Wanderwetter. Schön, trocken und immer ein wenig Wind, der kühlt. Ich marschiere los und die vielen schönen See- und Häusermotive zum Fotografieren, stockt das Weggehen. Ich muss mich besinnen, dass ich nicht auf Urlaub bin und noch mehr als 30Km Pilgerweg vor mir habe. An der Seepromenade entlang wird mein Schritt wieder ausgreifend. Ich sehe meinen langen Schatten vor mir gehen und das freut mich. Er zeigt mir die Richtung, die Richtung nach Westen zum Ziel. Was für ein schöner Tag zum Gehen und zum Schauen.
Da erwartet einem eine wunderschöne Seenwanderung entlang des Brienzer Sees (ca. 18Km lang) und des noch längeren Thuner Sees. Und wie kommt es dann wirklich? Der Weg geht nach dem Ort vom See weg und wird zum ständigen Auf und Ab. Giftige Steigungen über 100-200Hm führen immer wieder von den Seen weg und hoch oben geht dann ein schöner einsamer oder aussichtsreicher Weg dahin. Bis bei der nächsten Ortschaft, sich der Weg wieder ins Tal windet. Entweder darf man dann an der Seepromenade "bummeln" bevor es wieder hoch geht oder es geht direkt bei der Abstiegsmündung gleich wieder hoch, ohne einen Meter eben. Das kann dann nerven, aber wenn man oben ist, ist das einsame Wandern dann viel schöner, als in den überfüllten Fremdenverkehrsorten.

Es geht heute durch viele schattige Wälder und zwischen den Bäumen blitzt immer wieder das Grün oder Türkis der Seen durch. Es sind schöne Erlebnisse, die mit Worten kaum zu beschreiben sind. Der Weg oberhalb der Seen ist aber auch durch schroffe Felsen und mächtige Einschnitte geprägt. Oberhalb des Brienzer Sees gibt es zum Überqeren von Schluchten zwei mächtige Stahlhängebrücken. Die erste und kleinere mit ca. 25m Länge hat einen Schwingungsfaktor von etwa einen halben Meter - ein lustiges Gefühl wenn man das mag. Die zweite Hängebrücke ist etwas massiver gebaut, sie wird aber 50m lang sein und führt über eine 80-100m tiefe Schlucht. Für Höhenängstliche ist das überqueren dieser Brücke sicher eine Herausforderung. Mein Pilgerbruder Erich, den ich später traf und mit dem ich eine Weile ging, meinte, dass er heute sein Ziel schon erreicht hatte. Das Ziel war, das Ende der Brücke zu erreichen.

Nach dem 3. Auf- und Abstieg war das Ende des Brienzer Sees erreicht und der weltbekannte Kurort Interlaken kündigte sich mit seinen Vororten an.
Interlaken liegt genau zwischen dem Brienzer See und dem Thuner See und wird von der Aare durchflossen (allen Rätselfreunden ein Begriff: Fluss in der Schweiz mit 4 Buchstaben). Die Bergwelt ist vom Eiger, Mönch und Jungfrau geprägt, die schneebedeckt ins Tal blicken. Es gibt hier über 60 Hotels mit 4500 Betten und dann noch 1000 Ferienwohnungen und 7 Campingplätze (Taudis ward Ihr hier schon?).
Ich glaube das sagt alles über Interlaken und dem entsprechend habe ich mich hier auch nicht aufgehalten, obwohl es Mittagszeit, Rastzeit und Essenszeit gewesen wäre.
Ich bin noch eine Stunde nach Neuhaus weiter gegangen und das zuerst durch eine Allee entlang der Aare und dann durch ein Naturschutzgebiet mit Schilf und vielen Brutplätzen. Das gesamte Gebiet wurde vorbildlich und informativ gestaltet. Viele Wanderer, Vogelbeobachter und Familien mit Kindern waren dort unterwegs. Und wieder muss ich es sagen, wie vorbildlich die Schweizer mit ihrer Natur und ihrem Müll umgehen. Aller Müll wird in Müllbehältern entsorgt. Kein einziges Papierl und keinen Zigarettenstummel findet man weggeworfen. Raucher bleiben bei den Müllbehältern stehen und entsorgen den Stummel dort. Bei uns dient oft die Straße als Deponie für die Autoaschenbecherentleerung.

In Neuhaus, ich war schon 5 Stunden fast unentwegt unterwegs, gönnte ich mir bei einem Bristro eines Campingplatzes eine Rast und ein Mittagessen. Eine Pizza um 9,- CHF, das geht. Die letzen 10 Tages-Km am Thunersee entlang waren ähnlich dem Vormittag, nur dass die hochliegende Straße und der Weg den Küstenfelsen abgerungen wurden. Ein Stück habe ich den Weg verloren, vielleicht habe ich zu begeistert zum See hinab geschaut, und ich bin ein Stück am Gehsteig der Straße gegangen, die dort durch einige kurze Tunnels musste. Und dort, zwischen den Tunnels, gab es aber die besten Fotomotive, wie es senkrecht zum türkisblauen See hinunter geht.
Etwas ist mir auf der heutigen Etappe abgegangen. Es gab kein einziges Wegkreuz, kein Bildstock und keine Kapelle. Vielleicht liegt es daran, dass das hier reformiertes Gebiet ist.

In Merlingen habe ich ein Gasthaus mit erträglichen Zimmerpreisen gefunden. Mein, zugegeben, sehr kleines und einfaches Zimmer, kostet "nur" 57,- CHF.
Es ist wie eine kleine Klause und hat Pilgerstatus. Über den Rest des heutigen Tages, bitte beim Anfang des Berichtes weiterlesen.

Und so wünscht Euch Pilger Walter einen schönen Samstagabend und einen erholsamen Sonntag

Freitag, 1. Juli 2011

Weiter geht es

Hallo Leute,
nach einem Tag des Rastens, geht es wieder weiter. Ich habe mich körperlich und seelisch gut erholt und mein Pilgerherz strebt weiter.

Heute gab es keine großen berichtenswerten Erlebnisse. Heute kann ich "nur" über den Weg berichten. Aber der ist auch das Wichtigste. Heute war den ganzen Tag gutes Wanderwetter. Meist bedeckt und eher kühl. Das hat beim Gehen gut getan.
Von Flüeli-Ranft und von Bruder Klaus führt der Weg ins Tal nach Sachseln, welches ich gestern schon mit Monica und Alex besuchte. Toll war der Blick vom Hang hinunter auf den Sarnersee, aber die diesige Wetterlage verhinderte gute Fotomotive und das den ganzen Tag.
Es ging direkt am See entlang und es war gut zu gehen. Die heutige Etappe könnte man auch als Drei-Seen-Wanderung bezeichnen. Es ist eine wunderschöne Strecke, die nur dazwischen ihre Tücken hat.

Nach 2 1/2 Stunden komme ich im Ort Kaiserstuhl (die Herkunft des Names ist unklar) bei einem Haus vorbei, bei dem zwei Männer mit einem Bier eine Arbeitspause machten. Ich grüße wie immer, laut und fröhlich, mit einem "Grüß Gott" und füge auch ein herzhaftes "Prost" dazu. Beide Männer schauen auf, erwidern den Gruß und meinen lachend, als Pilger dürfe man um diese Zeit sicher noch kein Bier trinken. Ich schau auf die Uhr: 10:02 und sage, ab 10 Uhr ist es erlaubt. Beide lachen und heißen mich hinzusetzen und geben mir auch ein kleines Bier. Ahhh, das schmeckt. Es ersetzt eine Reihe von Spurenelementen, die ich bei einer Steigung ausgeschwitzt habe. Wir unterhalten uns eine Viertelstunde lang sehr gut und beider Pause endet. Sie werken weiter und ich gehe mit herzlichen Dank weiter.

Gleich wird dann der nächste See sichtbar, der Lungener See. Es ist wieder eine landschaftlich sehr schöne Gegend. Es muss hier bei blauem Himmel fast kitschig sein. Überhaupt nicht kitschig waren die noch stark sichtbaren Schäden der starken Regenfälle von vorgestern. Es sind eine Reihe von Muren die steilen Hänge herunter gekommen und die Bauern arbeiteten daran, ihre Wiesen wieder von Geröll und Erde zu befreien. An einem Bach muss die Straße total verlegt gewesen sein. Hier arbeiteten zwei Bagger, dass die Straße und das Bachbett wieder frei wurden. Und bei umliegenden Häusern mussten auch Schäden beseitigt werden. Da wird mir klar, unter welchem Schutz und Segen ich vorgestern gegangen bin. Es hat nur geregnet und rundherum gab es große Regenmassen und Überschwemungen, wie die Zeitungen auch berichteten.

Im nächsten Ort Lungern suchte ich mir ein hoffentlich günstiges Gasthaus um Mittagessen gehen zu können. Unterwegs, aber schon um 9h morgens, bin ich bei einem Gasthaus vorbeigekommen, welches ein Pilgermenü um 12,50 CHf anbot. Ich dachte mir, das könnte mir zu Mittag recht kommen. Ich gehe also in den Ort Lungern hinein und schon ist das Hotel/Restaurant zum Hirschen sichtbar. Ob ich da billig essen kann? Ich bezweifle es und schaue trotzdem auf den Aushang und könnte jubeln. Es gibt drei Menüs zwischen 12,- und 18,- und schon sitze ich drinnen an einem Tisch. Ich nehme das 12er Menü: Lauchsuppe, Brot, Salat vom Buffet und ein großes Schinkenomlett mit Mischgemüse. Das ist für Schweizer Verhältnisse ein Schnäppchen und ich kann satt und gestärkt weiter gehen.

Für das Kommende war die Rast und die Stärkung genau richtig. Gleich nach der Lungener "Kathedrale", es ist eine erhöht stehende hohe kathedralenhafte Kirche, geht es für heute 400Hm nach oben (200Hm liegen schon hinter mir). Wie in der Schweiz üblich, geht es wieder sehr steil nach oben. Und dass auf groben Geröll. Wenn es noch viele solche Wege wie in der Schweiz gibt, dann fürchte ich um meine Schuhe. Sollten die das aushalten werde ich zum Werber für die Schuhmarke. Zum Glück ging es nach der Hälfte des Anstiegs auf einer gut ansteigender Forststraße weiter. Man geht hier neben der Brüniger-Zahnradbahn. Also könnte man auch fahren, aber nicht ein Pilger, denn um die Fahrtkosten kann man einmal nächtigen. Bei 1000m erreicht man dann den Brünigpass und wird es gemein. Die Autofahrer zischen mit ihren 100 und mehr Pferdestärken talwärts zu und ich armer, müder Pilger muss mit meinen zwei Beinen und einem schweren Rucksack weitere 100Hm hochsteigen. Im nächsten Leben werde ich ein Auto! Und dann der Abstieg. Es ist der steilste, ärgste und grauslichste Abstieg, den ich kenne. Es geht hier fast senkrecht hinunter, auf einem sehr felsigen, extrem steinigen, nass erdigen und laubigen Weg abwärts. Da habe sogar ich guter Berggeher Probleme und muss meine Stöcke stark zur Absicherung einsetzen, damit ich nicht wegrutsche. Ich bin so froh, sehr gute und feste Bergschuhe zu haben. Jeder der für den Weg anderes empfiehlt ist irr oder ist den Weg noch nie gegangen. Unten im Dorf musste ich meinen Füßen Erholung gönnen, sie zitterten fast.

Der nun erreichte Ort Brienzwiler war dann aber die Entschädigung für den grauslichen Abstieg. Ein so schöner Ort mit noch alten und typischen Ortskern und schönen Häusern. Leider war das Wetter noch immer diesig, dass man die gewaltige Bergkulisse des Berner Oberlands nur erahnen konnte. Die Gipfel waren alle schamhaft mit Wolken bedeckt.
Bald war dann auch der nächste See, der Brienzer See erreicht und der Fremdenverkehrsort Brienz. Beim ersten Hotel hätte ich fürs günstigste Zimmer 110CHF bezahlen müssen (fast 100 Euro!). Bei der Information war mir dann Glück, Zuvorkommenheit und Freundlichkeit hold. Ich saß mit der Quartierliste vor dem Schalter und suchte ein "günstiges" Quartier, da merkte ich wie das Fräulein telefonierte und für mich nachfragte, wer günstige Zimmer hätte und sie wurde fündig. Ganz zentral in einem älteren Hotel mit einer österreichischen Serviertochter, so heißt das hier, gab es leistbare Zimmer um 60,-. Da ging ich dann auch hin, denn in der ansässigen Jugenherberge hätte ich wie in Rapperswil auch 57,- Franken bezahlt und das mit - eh schon wissen.
Das Zimmer wäre zur Straße gegangen und das Seezimmer hätte 65,- gekostet. Ich habe dann gehandelt und auch dieses Zimmer um 60,- bekommen. 10 Meter vor meinem Fenster wäre der See zu sehen, wenn nicht meine zum Trocknen aufgehängte Wäsche den Blick blockieren würde. Aber zum See hin ist es viel leiser.

Auf dem Weg zum Hotel, kam mir wie ausgemacht mein Pilgerfreund Erich entgegen, der heute auch in Brienz nächtigt. 100m von mir entfernt, aber um stolze 80,-
Wir haben uns dann in meinem Hotel zu einem Erfahrungsaustauschbier getroffen. Er hat auch viel erlebt, inklusive kaputter und jetzt neu gekaufter Bergschuhe.

So, das wäre es für heute. 33 Km waren zum Gehen und morgen werden es kaum weniger.
Ich grüße Euch alle aus der Mitte der Schweiz
Pilger Walter