Mittwoch, 7. September 2011

Gehmaschine

Liebe Freunde!

Heute habe ich die Grenzen meiner Gehmaschine ausgelotet. Wie eine Maschine bin ich heute ungeplant, aber notwendigerweise immer weiter und weiter gegangen.
Durch das harte Stück der Meseta hatte ich eine Etappe mit etwa 26Km geplant und in dem Zielort Terradillos de los Templarios wollte ich meinen morgigen Ruhetag verbringen. Nur wie ich dort angekommen bin, sehe ich was das für ein Nest ist. Der Ort, nur mit zwei Herbergen, wobei nur eine für mich interessant ist, hat sonst keine Infrastruktur und auch sonst ist hier nur tote Hose. Hier bleibe ich nicht!
Es war noch nicht Mittag und so entschloss ich mich trotz ansteigender Sonnenbestrahlung weiter zu gehen. Zwei kleine Orte gab es noch und dann, in gut 12Km Entfernung wartete die nächste Stadt - Sahagun. Das schaffe ich auch noch. Wie erwartet waren die beiden nächsten Dörfer auch nur Nester, wo man zwar übernachten kann, aber für einen Ruhetag waren sie ungeeignet. So kam es, dass ich nach 38Km in Sahagun landete und in einer Casa Rual ein gutes und preiswertes Zimmer fand. Hier kann ich den RT auch genießen.
Aber diese Entfernung zu gehen und das unter der sengenden Sonne, hat es in sich. Ich wundere mich selbst wo ich diese Kraft und diesen Willen zum Gehen hernehme. Es ist, als ob man am Morgen eine Maschine startet und losschickt. Wie ein Uhrwerk gehen meine Beine mit Arm- und Stockunterstützung Km um Km. Die 38Km habe ich inklusive Pausen in 7,5 Stunden absolviert. Heute gab es aber auch wenig Ablenkungen durch Fotopausen und keine Kirche war zu besichtigen. Und ich muss zugeben, die letzten 12Km waren nur mehr ein mechanisches Gehen, ohne besondere Freude am Gehen. Einfach nur gehen! Es gab auch landschaftlich nicht viel Interessantes zu sehen. Der Weg führte dann großteils neben den Straßen dahin.

In diesem Zusammenhang habe ich mir Gedanken gemacht, wie die Effizienz der Wegführung in den einzelnen Ländern ist. Das heißt, wieviele Km muss ich gehen, um 100Km Luftlinie zu schaffen.
Gefühlsmäßig hätte ich gemeint, das die Wegführung in Spanien am effizientesten ist. Dass also wenige Umwege zu gehen sind und der Weg sehr direkt geführt wird. Hier ist das Ergebnis:
1.) Spanien mit Faktor 1,31 - dass heißt: für 100Km Luftlinie muss man 131Km gehen
2.) Österreich mit 1,36
3.) Schweiz mit 1,57
4.) Frankreich mit 1,59
Der Faktor über den ganzen Weg, also von Leoben nach SdC, liegt bei 1,45
Das hat auch mein Gefühl bestätigt, dass man in Frankreich viel im Zick-Zackkurs und mit Umwegen herumgeschickt wird. Das hat mir auch ein Franzose bestätigt, dass der JW oft künstlich verlängert wird, damit die Förderung der UNESCO fließt.
Bei der Schweiz muss man sagen, dass hier die Wegführung durch das gebirgige Land und die vielen Seen nicht kürzer geführt werden kann.

Die Meseta war in den ersten 8Km nicht schlimm, eher sogar angenehm. Zwar war zuerst eine Asphaltstraße zu begehen, aber dann führte der Weg über eine gute Schotterstraße, die auf der linken Seite, also der Sonnenseite, von einer Pappelallee begleitet wird.
Auf dem schnurgeraden Stück schaue ich nach vor und kann den Horizont nicht erkennen, denn die Silhouetten der vielen Pilger verdecken ihn. Fast sehe ich mehr Wanderer als Pappeln.
Erst die letzten 5Km sind wirklich baumlos. Trotzdem hat die Landschaft ihren besonderen Charme. Ich bin dann oft alleine unterwegs, denn alle die vor mir gegangen sind, gehen jetzt hinter mir. Hier kann ich dann wieder singen und laut beten.
Wer dieses Mesetastück als einsam, brutal und anstrengend bezeichnet hat, der ist nie durch Frankreich gegangen. Natürlich ist das "extreme" Stück im Hochsommer und am Nachmittag schon eine Herausforderung, aber das ist das Gehen am JW im Sommer immer.

Der gestrige NM und Abend waren für mich noch sehr nett und interessant.
Zuerst schlendere ich durch den Ort und zähle fünf Kirchen (zwei weitere sehe ich heute am Ortsausgang). Alle Kirchen werden am NM aufgesperrt und bis auf eine, die als Museum geführt wird und wo beim Besuch ein Obolus verlangt wird, kann ich alle besuchen. Ich meine, dass hat dann auch gereicht.

In der gestrigen Klosterherberge höre ich im Hof deutsche Worte und gebe mich auch zu erkennen. Drei jüngere Deutsche, Martina aus Bad Reichenhall und Tunja und Simone aus Norddeutschland, gehören zum angenehmen und netten Schlag unserer Nachbarn. Sie halten auf der Bank ihr Abendmahl und beim Plaudern werde ich auf ein Glas Wein und etwas Käse eingeladen. Es ist ein fröhliches Diskutieren über alles am JW, auch über die "Vorurteile" den Deutschen gegenüber.
Schnell vergeht die Zeit und auf der Nebenbank versammeln sich weitere vier ältere deutsche Pilger.
Ein bestimmendes Thema ist die große Fußblase, die Simone hat. Die beiden älteren Frauen haben auch kleine Blasen und können bzw. trauen sich nicht, sie aufzustechen. So bitten sie mich, es zu tun. Ausgerüstet mit Nadel und antiseptischer Lösung beginne ich meine Ordination. Danach bekommen sie noch praktische Tipps von mir und eine Honorarrechnung stellte ich nicht aus, dass ist Pilgerdienst.
Nach meinem Abendessen im Restaurant gibt es mit diesen Mitpilgerinnen noch einen fröhlichen Schlummertrunk.

Sollte bei meinen Berichten zwischen meinen Zeilen der Eindruck entstanden sein, ich freue mich auf SdC, dann kann ich das nur mir einem großem JA beanworten. So wie ich mich zuerst freute, GEHEN zu können so freue ich mich jetzt nach so vielen Wochen, endlich mein Ziel zu erreichen. Und ich freue mich auch schon auf das Heimkommen.

Nun ist auch Hälfte des spanischen Weges von mir beschritten worden und es bleiben keine 400Km mehr. Aber bevor ich wieder über die Piste marschiere, mache ich morgen wieder einen Geh- und Schreibruhetag
Euer Pilger Walter

Dienstag, 6. September 2011

I am from Austria

Liebe Freunde in Österreich und wo Ihr überall meine Berichte lest!

Heute war ein Tag der Begegnungen.
Wie immer wenn ich am Weg eine flüchtige oder eine tiefere Begegung habe, stelle ich mich stolz als Österreicher vor, denn das ist meine Heimat und von dort komme ich auch zu Fuß her. Direkt von meiner Jakobikirche gehe ich zur größten Jakobskirche.
In den Gastländern erkläre ich mich als Österreicher auch zum Schutz, damit ich nicht als Deutscher eingestuft werde. Es tut mir zwar Leid das sagen zu müssen, aber einige unserer bundesdeutschen Brüder haben ein Auftreten, dass dann nicht immer gut ankommt. Einige negative Beispiele sind mir selbst schon untergekommen, auch wenn ich davon nicht immer schreibe. Ich meine da zum Beispiel, die vier jungen rüpelhaften Deutschen von der Herberge in Cizur Menor, die leider immer wieder meinen Weg kreuzen und blöde Bemerkungen machen. Ich ignoriere sie. Oder in die Herberge in Ages kommt ein älterer Deutscher ohne Gruß in die Bar und frägt im alemanischen Befehlston: "Haben sie ein Zimmer frei?", also ohne höfliches Grüßen oder ein bischen respektvolles Eingehen auf die Sprache der Gastnation. Dass ihnen die schönen Doppelzimmer dann zu teuer waren, ist nur ein Nebenaspekt. Und von diesen Vorkommnissen könnte ich einige berichten, aber im Normalfall will ich solche negativen Erlebnisse nicht erwähnen und meinen JW dadurch nicht schlecht machen.
Mir tut es leid, für die vielen lieben Menschen aus Deutschland, die ich am JW kennen gelernt habe, die dann vielleicht unter diesen Einschätzungen zu leiden haben.
Warum ich heute darüber schreibe, wird im Laufe des Berichtes klar werden.
An dieser Stelle grüße ich ganz besonders meine Teilzeitweggefährtin Martina aus Frankfurt a.d.O. Ich danke Dir auch für das virtuelle Mitgehen und die vielen aufbauenden Kommentare.

Heute hatte ich einen gemütlichen Gehtag vor mir, als ich nach einem tiefen und festen Schlaf im Hotel von Fromista weggehe und zu einer Bar zum Frühstücken marschiere. Die 6Km mehr, die ich gestern gegangen bin, bringen mir heute einen kurzen Weg, denn weiterzugehen, in das klassische Teilstück der Meseta, ist nicht sinnvoll.

Auf dem Weg kassiere ich zwei typische und humorvolle Einschätzungen über uns Österreicher. Beim Frühstück treffe ich zuerst zwei Kölnerinnen, die ganz baff sind, dass man so weit gehen kann. Sie selbst haben schon massive Probleme und werden in Leon abbrechen. Vielleicht schaffen sie es aber doch weiterzugehen. Unterwegs hole ich sie ein und nach ein paar heiteren Worten ziehe ich weiter. Ihre Einschätzung hinter meinem Rücken war aber noch für mich bestimmt. Sie meinten, das ist klar, dass er so geht, er ist eine typisch österreichische Bergziege. Ich sehe das als Lob :-)
Nicht viel weiter spreche ich ein älteres Ehepaar an, weil ich fast deutsche Worte höre. Es sind zwei Dänen und ein paar Worte wechseln wir auch. Beim Weitergehen "versucht" der Mann, mir hinterher zu jodeln. Mein fröhliches Holodriooo als Antwort kam vom Herzen und war um einiges lauter.

In Poblacion de Campos habe ich Glück und die Kirche ist für einen Besuch offen. Es sitzt zur frühen Morgenstunde schon jemand da und stempelt die Credencial ab. Nach dem stillen Gebet fühle ich mich gleich freier und erst so richtig am Jakobsweg, wo ich schon seit über drei Monaten zu Hause bin.
Erschreckend ist, dass die große Masse an "Pilgern" auch an den offenen Kirchen einfach vorbei geht und wenn sich einige hinein verirren, dann nur um zu fotografieren. Soviel zu der Massenpsychose Jakobsweg. Das hat mit Pilgern nichts mehr zu tun.
Ich verzichte lieber auf Fotos von den Kircheninneren, wenn man fürs Betreten der Kirche zahlen muss. So wie gestern in Fromista, deren schönes romanische Kircheninnere, ich nur vom Eingang aus gesehen habe. Aber auch die für Fromista typische Aussenfassade bietet wunderbare Blick- und Fotomotive.

Auf der sogenannten Pilgerautobahn,
weil der Weg gerade und neben der Straße geführt wird, habe ich ein heimatliches Erlebnis und eine Bekanntschaft. Ich sehe schon eine Weile vor mir eine Frau im flotten Schritt gehen und denke mir, die ist sicher geh- und bergerfahren. Und wie,es ist Ina aus Graz, ein Alpenvereinsmitglied. Das ist für mich heimatferner Pilger ein schönes Geschenk, jemanden aus der Heimat zu treffen. Wir gehen einige Kilometer miteinander und merken im wechselhaften Plaudern gar nicht, wie die KM verfliegen und wie steinig der Weg ist. Ina ist schon im Vorjahr einiges des JW gegangen und will nun, den ganzen spanischen Weg gehen, auch für ihren Mann, der verstorben ist.
Auch sie beklagt den Massentourismus am Weg und dass heuer die Menschen viel unfreundlicher und gehetzter unterwegs sind. Besonders haben sie einige negative Begegnungen mit deutschen Pilgern entsetzt. Deren Auftreten waren oft sogar beleidigend.
Vor Villalcazar de Sirga trennen wir uns, um wieder alleine weiter zu gehen und ich wollte in dem Ort eine Jausenpause einlegen.

Die Kirche von Villalcazar aus dem 13. Jhd. wird wegen ihres Übergangs von der Romanik zur Gotik als sehenswert beschrieben. Sie ist leider total eingerüstet und war versperrt. Doch als ich mit meiner Jause fertig bin, wurde gerade aufgesperrt und ich wollte auch in dieser Kirche beten. Nur hier herrscht die gleiche Unart, man mus für den Kirchenbesuch zahlen. Nach einem Foto von dem reichgeschmückten Torbogen, gehe ich einfach weiter und bete unterm freien Himmel, das ist die schönste Kirche.

Noch vor 12h treffe ich in meinem heutigen Etappenort Carrion de los Condes ein und finde im Klarissinenkloster, das auch eine Herberge und eine Pension betreibt, ein einfaches, aber nettes Zimmer mit Bad und WC um 21€.
Da bin ich glücklich darüber, in diesem Kraftort gut nächtigen zu können. Die Kirche "gehört" beim Besuch ganz mir und ich kann dort das "Vater unser" für mich allein singen.

Morgen steht das härteste Teilstück der Meseta am Programm. Auf 18Km kein Baum, kein Ort - nichts! Nur eine Ebene und gerade führt der Weg da durch. Eigentlich freue ich mich schon darauf, denn was ich bisher von der Landschaft der Meseta gesehen habe, das war schön.
Durch die Wahl des Etappenortes kann ich die Meseta in den Morgen- und Vormittagsstunden durchschreiten, das macht die Belastung durch die Sonneneinstrahlung sicher etwas leichter und vor Regen muss ich anscheinend auch keine Angst haben.
Ich muss auch sagen, mit dem Wetter habe ich bisher großes Glück (Danke Hl. Jakobus), es herrscht ein schönes herbstliches Wetter. Die Hitze ist hier nicht mehr stark zu spüren und ich bin auch bald nach Mittag immer schon am Tagesziel.

Nach einer gemütlichen Rast für meine Füße und einer genüsslichen Siesta habe ich den heutigen Bericht fertig und ich werde nun den Ort erkunden. Für das Abendessen suche ich noch ein gutes und preiswertes Restaurant und für morgen früh, eine Bar, wo ich ein Frühstück bekomme.

Euch alle grüße ich vom Jakobsweg und ich freue mich schon, wenn ich viele von Euch wieder treffen werde.
Euer Pilger Walter

Montag, 5. September 2011

Wieder ein Tag naeher am Ziel

Liebe Freunde!

Drei Weckdienste gab es in Hontanas, damit ja kein Pilger verschläft. Begonnen haben die Gänse kurz vor 6h, dann ließ die Kirchturmuhr ihre sechs Schläge hören und etwas verspätet krähten sich die Hähne heiser.
Dabei wäre das nicht notwendig, denn die Masse der Pilger wartet anscheinend ab Mitternacht, um wieder loszuziehen (siehe hinten).
Um 6h stehe ich wie gewohnt auf und ohne Hektik mache ich mich fertig und gehe in die nächste Bar um dort ein karges Frühstück zu bekommen. Um 7h bin auch ich reise- oder gehbereit. Es ist eigentlich noch immer zu früh, denn es braucht noch eine Viertelstunde bis das Tageslicht einigermaßen gehmäßig ist.

Wo sind heute all die Pilger? Nur wenige sind es, die man heute morgen trifft. Hat sie das unbekannte Pilgermonster verschluckt?
Nein, sie sind doch alle noch da. Nach 4Km sehe ich ganze Horden von Pilgern vor mir gehen. Die müssen alle noch in stockfinsterer Nacht weggegangen sein. Eines ist gewiss in der Menschheitsgeschichte, die Dummheit stirbt nie aus.

Nach einigen KM bin ich an der mir schon bekannten Klosterruine San Anton vorbei gekommen. Der Weg führt durch die heute noch beeindruckenden Ruinen und man sieht auch noch die Lucken, bei denen die Pestkranken früher ihr Essen bekamen.
Von hier kann man schon Castrojeriz erkennen, aber es braucht noch einige KM des Gehens, bis man durch die Pappelallee entlang der Straße den Ort betreten kann. Der Durchgang durch den Ort könnte im Führer als eigene Etappe beschrieben sein, so langgezogen liegt der Ort rund um einen Hügel auf dem eine Burgruine thront. Die drei Kirchen des Ortes, sind schön aufgeteilt entlang des Weges durch den Ort und geben im wunderbaren Morgenlicht prachtvolle Fotomotive ab. Nur leider sind sie alle geschlossen.

Ein steiler Anstieg mit durchschnittlich 12% führt auf einen weithin sichtbaren Tafelberg, von dem man eine tolle Sicht zurück hat und dann am Ende des Plateaus, nach vor in die schöne Landschaft der Meseta. Der Abstieg war mit 18% auch nicht ohne. Hier hat man vorsorglich den Weg betoniert.

Vor Itero de la Vega liegt am Weg die kleine Kirche San Nicolas, die von einer italienischen Jakobsbruderschaft betreut wird. In dieser Kirche gibt es auch eine kleine Pilgerherberge. Im Chorraum ist der Gottesdienstraum und dann sind die Tische und im hinteren Bereich der Kirche sind 5 oder 6 Stockbetten. Freiwillige Helfer betreuen die Herberge. Es ist ein ganz besonderer Punkt am JW.

Die Landschaft spricht mich sehr an. Sie hat trotz abgeernteter Getreidefelder einen lieblichen Reiz und jetzt gibt es durch ständige Bewässerung auch grüne Felder mit Rüben und anderen Feldfrüchten.
Nur der Weg zwischen Itereo und Boadilla del Camino ist zum Vergessen. Durch grobe feste und lose faustgroße runde Steine ist es hier saumäßig zum Gehen. Es ist oft mehr ein Stolpern und prompt spüre ich mein Knie wieder mehr. So war ich froh, den Etappenort zu erreichen. Aber, wie befürchtet, war in der interessanten Herberge mit Zimmerangebot, nichts mehr frei. In diese oder in eine andere Herberge mit Schlafsälen wollte ich nicht. Somit war ich gezwungen die 6Km bis Fromista weiter zu gehen. Leider war auf den ersten Km der Weg wieder so schlecht und erst entlang des kastilischen Bewässerungskanals wurde es wieder ein gutes Gehen.
In Fromista war das Zimmersuchen nicht so einfach, weil wenig gute Hinweise mich führten. So kam ich bis zur berühmten romanischen Kirche und gleich nebenan gibt es das schöne Hotel San Martin. Hier nehme ich mir ein "Luxuszimmer" um 38€. Es ist sicher das schönste, modernste und großzügigste Zimmer, in welchen ich logiere. Allein das Badezimmer ist größer als manche meiner Hotelzimmer. Wenn ich da an die winzige Bruchbude in Merlingen (SZ) denke, da habe ich um die Hälfte mehr bezahlt und das ohne Bad und WC.
In die übergroße Duschkabine hat man für müde Pilger sogar eine Sitzgelegenheit montiert.

So habe ich wieder, wichtig für mich, ein ruhiges Zimmer und kann mich hier von den 33,5Km ausruhen und für den morgigen Tag Kraft schöpfen. Aber die Kirche von Fromista muss ich mir noch ansehen. Ich hoffe, sie wird noch aufgesperrt.

Das war der Bericht von 17. Gehtag vor dem Ziel und ich grüße Euch alle und danke auch für die vielen und aufbauenden Kommentare.
Euer Pilger Walter, dem das Knie derzeit zum Glück keine größeren Probleme bereitet.

Pilger mit Fluegerl

Für Euch liebe Freunde, hier mein Bericht vom Sonntag 4.9.

Burgos ist eine große Stadt mit 163.000 Einwohnern und die Hälfte davon muss am Nachmittag und am Abend in der Altstadt gewesen sein. Es ist für uns unvorstellbar, wie hier am frühen NM die Bars nach dem Shopping frequentiert sind und das normale Treiben am Abend ist bei uns höchstens mit einem Stadtfest vergleichbar. Wobei die ganze Familie festlich gekleidet ausgeht und durch die Stadt bummelt. Es ist ein wunderbares Treiben.
Am NM habe ich einen Stadtrundgang gemacht und die üblichen Sehenswürdigkeiten besichtigt. Das Innerste der Kathetrale habe ich wieder ausgelassen, weil da Eintritt zu zahlen gewesen wäre. Aber auch von den Teilen, die man frei besuchen kann, bekommt man einen guten Einblick über die Mächtigkeit der Kirche, die durch ihre vielen Einbauten fast verbaut wirkt. Rund um die Kirche haben einige Bräute mit ihren Schleppen beim Fotoshooting die Straßen geputzt, wo vorher von den Hochzeitsgästen überschwänglich massenhaft Konfettis, Blumenblüten und Reiskörner verstreut wurden.
Ich bin auch zur Burg hinauf spaziert, um einen Blick von oben auf die Stadt und die Kirche zu haben.
Am frühen Abend bin ich dann nochmals in die Stadt gegangen (da macht sich ein Quartier nahe dem Zentrum bezahlt) um mir ein Restaurant mit gutem und preiswertem Menü zu suchen. Fast nehme ich schon auf halben Weg zur Kathetrale ein Angebot eines Wirtes an, doch dann bummle ich doch noch weiter. Und von da an habe ich eine Glückssträhne.
Zuerst komme ich bei einem tiefen Seiteneingang der Kathetrale vorbei. Es ist offen und ich versuche hier mein Glück in die Kathetrale zu kommen. In den Nebenräumen des Kreuzganges ist gerade eine Ausstellung mit moderner Kunst eröffnet worden und das interessiert mich. Zugleich kann man aber auch in das Innere des wunderschönen Kreuzganges gehen und das kostenlos. Das freut mich.
Danach suche ich mir ein Restaurant und gleich neben der Kathetrale wird ein Pilgermenü um 10€ angeboten und das Essen gibt es auch vor 7h und ich brauche nicht auf die sonst üblichen Essenszeiten zu warten. Ich übersetze mir die Speisen die zur Auswahl stehen und hier gibt es etwas Neues für mich. Zur Vorspeise bestelle ich mir, die hier typische gebratene Blutwurst und ich bin begeistert, wie lecker und gut gewürzt sie schmeckt. Zur Hauptspeise, und das ist der Hit, nehme ich eine Forelle nach Art Navarra. Es ist eine ganze gebratene Forelle, die mit luftgetrocknetem Schinken umwickelt ist - Hmmm. Die in Spanien üblichen Pommes sind zwar ein Stilbruch, aber das tat dem Schmausen keinen Abbruch. Zur Nachspeise gab es noch den klassischen Pudding mit Caramelsauce. Ein Viertel Rotwein und Brot gehörten auch zum Menü, dass den hungrigen Pilger satt und zufrieden machte.
Wie ich da auf dem Platz beim Essen sitze, kämpft sich endlich die Sonne durch und ich stehe gleich nach dem Zahlen auf, denn diesen Lichteinfall darf ich nicht versäumen. So kann ich noch Fotos mit bestem Licht von der tollen Westfassade der Kathetrale machen - Glück Nr. 3.
Da sehe ich auch, dass die Seitentüren der Kirche offen sind und ich gehe hinein und komme bei der schönen Seitenkapelle, die jeder Stadt als große Kirche Ehre machen würde, zu der Samstagabendmesse zurecht. Das hat Jakobus, der von ganz oben am Altar als Maurenbekämpfer trohnt, sehr gut gemacht.
Zum Abschluss schlendere ich noch durch die Gassen und lasse mich vom dichten Treiben mitziehen. In der Bar- und Restaurantgasse finde ich noch ein wohlfeiles Angebot. Ein kleines Bier um 1€ lasse ich mir noch als Abschluss des Abends schmecken und proste Jakobus für den gelungenen Abend zu.
Dann gehe ich doch ins Hotel, denn ich bin schon zu lange auf den Beinen und heute wartete ein langer Gehtag auf uns.

Am Morgen, beim Weggehen um 7h, sieht man die Reste des ganz normalen Wochenendfeierns auf den Sraßen. Für den Müll braucht es Legionen von Straßenreinigern. Die Bars schließen gerade und die letzten Menschen suchen sich ihren Weg nach Hause.

Beim Stadtausgang steht der Bürgermeister von Burgos und überreicht mir eine Ehrenplakette für den 500. Pilger der heute schon die Stadt verläßt. So kommt es mir jedenfalls vor. Es ist ein Wahnsinn was sich hier und heute tut. Heute am Sonntag müssen Massen an Spaniern in Burgos den Weg begonnen haben und je näher man SdC kommt wird das noch schlimmer.

Unzählige Radffahrer fordern freien Weg, damit sie ungebremst vorbeifahren können. Immer wieder werden dabei von ihren Rädern Steine weggezwickt, die dann richtige Geschoße werden. Ein Stein hätte mich fast getroffen.

Nach dem Dorf Rabe de las Calcadas beginnt landschaftlich gesehen die Meseta. Das Wort Meseta leitet sich von "mesa" ab, was Tisch, Platte oder Ebene bedeutet. Es ist eine hochgelegene und weitgehend baum- und strauchlose Landschaft. Jetzt am Beginn sind noch ringsum abgeerntete Gedreidefelder zu sehen und es eine reizvolle Gegend die auch hügelig ist und die Dörfer liegen versteckt in den Senken. In ein paar Tagen wartet dann der berüchtigte Teil der Meseta.

Heute hat mir Jakobus Flügel verliehen, so fliege ich geradezu über die Strecke. So stark war ich schon lange nicht unterwegs. Die 30,5Km bin ich inklusive Pausen in 6:10 Stunden gegangen. Zum Lohn ist die heutige Etappe um 2Km kürzer als im Führer beschrieben. Das schnelle Gehen kommt einfach von selbst und auch daher, dass auch immer wer vor einem geht und das beflügelt. Es gab fast keinen Streckenabschnitt, wo nicht 100m vorne und hinten andere Pilger unterwegs waren. Es ist unvorstellbar, welche Massen hier unterwegs sind.

Ihr werdet Euch vielleicht fragen, wie geht es meinem Knie? Unterschiedlich! Auf ebenen Wegen spüre ich den Schmerz kaum und ich schaffe es, nicht daran zu denken. Die Kniestütze hilft dabei, den Fuß gerade zu halten. Aber auf schlechten Wegen, abwärts und nach der Essenspause, ist der Schmerz deutlich zu spüren. Aber das war heute nicht oft der Fall. Vielleicht haben da wirklich Flügerl oder die stützende Hand von Jakobus geholfen. Danke lieber Jakobus.

In meinem Etappenort Hontanas, finde in einer Casa Rual ein wunderbares Zimmer um 30€ mit allem Konfort, sogar mit TV.
Hier bekomme ich am Abend auch das Essen.

So bin ich heute mit mir und dem Tag sehr zufrieden. Inzwischen bin ich schon 2.300Km gegangen und "nur" mehr knapp über 450Km warten auf mich.
Seid alle zu Hause, oder wo auch immer Ihr meine Berichte lest, von mir gegrüßt.
Euer Pilger Walter
PS: Klaus: Gratuliere zu Deiner Laufleistung. Ich glaube, da waren wir heute beide rekordverdächtig.

Samstag, 3. September 2011

Es geht, wenn man geht

Hallo liebe Freunde,
mit diesem Spruch und meinem eigenen Pilgerlied "Geh nur geh, müder Pilger, geh nur geh, ..." habe ich mich heute wieder auf Vordermann gebracht. Es gibt kein Müdesein, vielleicht bin ich nicht mehr so frisch wie am Beginn, aber nun heißt es durchkämpfen und so bin ich es heute wieder angegangen. Und ich bin wieder (fast) so stark drauf, dass die geplanten 24Km nur 21 geworden sind. Da hat der Pilger Walter Flügerl bekommen und die sollen besonders praktisch sein, bei schmerzenden Beinen.
Das Gehen war heute wieder leichter und der Knieschmerz zuerst nicht merkbar, aber dann bei einem falschen Schritt doch einige Zeit spürbar.
Bei der ersten Apotheke in Burgos habe ich mir eine stabile Kniestütze gekauft, nur ob die etwas hilft, werden wir morgen sehen. Der Rat mit einer Pause wird auch nichts bringen, denn auch am letzten Ruhetag, vor 4 Tagen, blieb der Schmerz gleich stark.
Aber es wird schon gehen, sonst kann ich immer noch meinen Freund Jakobus bitten, dass er mich ein wenig trägt. Er hilft mir sonst auch immer, wenn ich ihn brauche, so wie bei der Zimmersuche - Danke lieber Jakobus.

Die vergangene Nacht in der Herberge in Ages, mit den oben offenen Wänden, sonst käme in diese Kemenate gar keine Luft hinein (kein Fenster!), war trotzdem sehr angenehm. Es gab keine Geräusche die einen Pilgerschlaf beeinträchtigt haben. Doch halt, irgendwann des Nächtens hörte ich von draussen, dass es stark regnete. Da bin ich sogar dankbar dafür, denn ich bete täglich, wenn das Wetter wechselhaft wird, zu den Himmelsmächten, dass es am JW erst in der Nacht regnen möge, damit alle Pilger trocken zu ihrem Quartier kommen können - und so war es dann auch.
Am Morgen und am Vormittag war es dann tief grau und leichter Nieselregen beeinträchtigte das Gehen kaum. Es hieß halt ein paar Km mit Regenjacke gehen, dann wieder ohne usw.
So war heute ein kühler Gehtag, was auch recht angenehm war. Zu Mittag hatte es in Burgos nur 16°.

Eigenartig ist, dass kaum Gäste/Pilger am Morgen frühstücken. Von den etwa 10 Gästen der gestrigen Herberge, war ich der einzige, der frühstückte. Dabei sind es nicht nur Spanier, die ohne morgentliche Stärkung in die Finsternis losstürmen.

Durch den Regen ist das eingetreten, was ich schon befürchtet habe. Der zentimeterdicke Staub am Weg, wurde nun zum Schlamm und die steinigen Wege wurden sehr glitschig.
Nach dem Ort Atapuerca, der bekannt ist, als Ort der ersten Europäer und man könnte Ausflüge zu den Höhlen machen, ging es steil, steinig und felsig nach oben. Das war durch die glitschigen Steine ein sehr gefährliches Gehen.
Diese Anhöhe hinauf begleitet mich linker Hand ein mehrzeiliger Stacheldrahtverhau. Sind hier die Schafe oder Rinder so ausbruchswütig oder werden hier tierische Schwerverbrecher gefangen gehalten? Gibt es hier vielleicht völkerrechtliche Verfeindungen, dass die Gebietsgrenzen so massiv abgeblockt werden? Nein, es ist ein militärisches Sperrgebiet, wie eine Tafel später verkündet.
Auf dem flachen Plateau dieses Berges (1.081m) haben Pilger aus Steinen eine 20-30m große Spirale bzw. einen Irrgarten ausgelegt. Diesen Irrgarten habe ich aber nicht beschritten, denn ich habe auf meinem JW genügend Irrwege gehen müssen, jetzt ist eine effiziente Wegführung gewünscht.
Gleich darauf flüchten zwei Hirschkühe vor mir und springen mit einem großen Satz elegant über den massiven Stacheldrahtverhau. Dort scheint es ihnen sicherer zu sein. Schießen die spanischen Militärs so schlecht?
Der steile und steinige Abstieg von dieser Anhöhe war durch die glatten Steine sehr schwierig. Zum Glück konnte ich meine Stöcke zum Abstützen einsetzen. Und trotzdem bin ein paarmal stark gefährdet zu fallen. Zum Glück trainiere ich zu Hause oft mit der Balanceplatte und so kann ich mit wilden Verrenkungen, die einem Discotanz alle Ehre gemacht hätten, einen Sturz vermeiden.

Über die zweite Hälfte des heutigen Gehtages gibt es nicht viel zu berichten. Vor Burgos ist die Wegführung, durch die Errichtung des neuen Flughafens, recht unklar und auch die Führer sind sich nicht einig. Die alte Wegführung gibt es nicht mehr und eine halbwegs vernünftige Alternativroute wird bei der Weggabelung nicht angezeigt und diese Wegführung soll laut Führer nicht gut markiert sein. So entschließe ich mich, den offiziellen Weg zu gehen und komme damit leider auch nicht beim Kloster Miraflores vorbei. Der Weg führt zuerst auf Asphaltstraßen rund um den Flugplatz herum und man kommt bei Villafria in das Industriegebiet von Burgos. Von hier geht man 10Km auf geplasterten Gesteigen immer an der Straße entlang nach Burgos hinein. Erst im Inneren von Burgos wird das Gehen wieder attraktiver.
In Belorado habe ich mir schon einen Stadtplan und ein Hotelverzeichnis besorgt und die "attraktiven" Hotels markiert, die am Weg, nahe der Innenstadt und preisgünstig sind. Gleich bei meinem ersten Versuch klappt es auch mit dem Zimmer. Ich habe auch vorher ein Stoßgebet zum Jakobus geschickt. Mit 43€, nur für das Zimmer, ist es nicht billig, aber in der Lage gibt es sonst nichts. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Jetzt gönne ich mir noch einen Stadtrundgang und verzichte auf eine längere Ruhepause.
Euer Pilger Walter

Freitag, 2. September 2011

Da geht die Post ab

Liebe Freunde!
Wenn die Spanier feiern, dann geht die Post ab, wie man so sagt. Diese überschwängliche Lebenslust steckt alle an. Von Jung bis Alt, alle kommen und feiern die einzelnen Programmpunkte. Die Jugend ist natürlich am Ausgelassensten. Vor den Bars im Zentrum wird musiziert und voller Lebenslust gesungen und getanzt. Die meisten Menschen sind gruppen- oder familienweise mit einheitlichen bunten Dresses, a la Clownkostüm, unterwegs.
Ein besonderer Programmpunkt des Festes Gracias, war am Abend die Blumendankprozession zur Marienstatue in der Kirche Santa Maria. Hunderte Menschen, begleitet von Musik und Kastanettentänzern bringen ihre Blumenspenden dar. Es ist ein überwältigendes Erlebnis. Es schiebt sich in der Kirche, wie bei uns bei der Lebenden Krippe, nur mit x-fach mehr Menschen und mit fröhlichem Treiben. Um 21:30 beginnt ein Openair-Konzert am großen Platz, welches bis 1:00 angesetzt ist. Dieses Konzert gebe ich mir nur kurz und ich versuche in meinem Quartier eine Mütze Schlaf zu finden.
Denn der letzte Programmpunkt der Feierlichkeiten, aber an jeden der vier Festtagen, ist der Marsch durch die Straßen um 04:15 in der Nacht!!!
Vom Pensionswirt habe ich extra Ohrstöpsel geschenkt bekommen, damit ich schlafen kann. Sie sind besser als die meinigen und so kann ich wirklich fast ungestört schlafen. Nur den lauten Rundgang um 1/2 5 Uhr früh, könnten auch die besten Ohrstöpsel nicht dämmen. Mit Musik zog die Jugend laut johlend und tanzend durch die Straße, aber das war nur eine kurze Störung und ich dämmerte bald wieder weg.

Die aufmerksame Bewirtung der Pension Wasala gehört gelobt. Hier fühlt man sich sehr wohl. Erstmals, seit der Schweiz, gibt es ein ordentliches Frühstück. Am Teller warteten schon ein Aufstrichbrot, ein kleines Käsebaguette, zwei Marmeladebrote und ein Joghurt mit frischen Früchten. Dazu gab es Orangensaft und genügend Tee. Das hat gut geschmeckt und mit dem Wirt war gut zu plaudern, in deutscher Sprache.
Beim Weggehen hat der Wirt mich noch bis auf die Straße begleitet und mich verabschiedet.

Der JW führte dann durch die Bar-Straße aus der Stadt hinaus und hier zogen um 1/2 8 auch die letzten Feiernden nach Hause. Es wurde ein amüsantes Gehen, denn die Jugendlichen grüßten gut beschwipst beim Vorbeigehen.

Im Strom der anderen Pilger ging es dann zuerst gemächlich ansteigend bis Villafranca Montes de Oca und dann um einiges steiler den Pass hoch. In Summe waren heute etwa 400Hm zum Hochsteigen.
Irgendwie merke ich nun doch schon die vielen Gehkilometer. Obwohl ich vermutlich gleich gut unterwegs bin, fällt mir heute das Gehen schwerer. Schön langsam sehne ich mir das Ende des Gehens und mein Ziel näher. Es sind zwar jetzt nur mehr 20 Gehtage, aber auch die müssen erst gegangen werden und es warten noch einige Herausforderungen.

Ein Umstand, dass das Gehen mühsamer wird, ist, dass sich nun Verschleißerscheinungen in den Beinen ankündigen. Seit einer Woche spüre ich im linken Knie an der Innenseite beim Knochen einen Schmerz. Bisher spürte ich das nur im Ruhezustand und bei Berührung. Aber nun verspüre ich auch beim Gehen hin und wieder einen leichten Schmerz, der mich aber noch nicht behindert. Aber das Hineinhören in den Körper und das Bangen, wird es ein Problem und was hat das für Folgen, das belastet etwas die Motivation. Morgen in Burgos werde ich mir eine Kniestütze kaufen, vielleicht kann ich damit Ärgeres verhindern.

Mit dem heutigen Tag hat sich die Landschaft total verändert. Der höchste Punkt den ich heute erreichte, war auf 1.200m und so dominieren hier Pinien, strauchartige Eichen, Koniferen und lila bis violett blühende Erikagewächse.
Der Weg über diese Passanhöhe, auf der es kilometerlang dahin geht, ist kein Weg, sondern gleicht einem ausgetrockneten Flussbett. Hier wurde eine breite Feuerschneiße durch den Wald geschlagen und der JW führt teilweise über unwegsame Steige.

Die Kirche von San Juan de Ortega ist glücklicherweise offen und ich kann sie nach einem Gebet kurz besichtigen. Hier hat der Baumeister eine architektonische und astrologische Meisterleistung vollbracht. Durch eine Öffnung dringt zweimal im Jahr, am 21. Juni und am 22. September um genau 17h für 10 Minuten ein Lichtstrahl in die Kirche und beleuchtet hintereinander die Verkündigungsszene, die Geburt Christi und den Besuch der Hl. Drei Könige.
Leider bin ich um 20 Tage zu früh unterwegs, um dieses besondere Ereignis selbst erleben zu können.

Mit dem Quartier in Ages habe ich einen kleinen Fehler begangen. In der modernen und guten Herberge gibt es auch Zweibettzimmer, welches ich auch zum hohen Preis von 36€ nehme. Viel Auswahlmöglichkeiten gibt es auch nicht. Das Hotel wird dann preislich auch ähnlich liegen.
Die Zimmer sind modern und sauber. Sie haben aber kein Fenster, nur ein Glassteinelichtband. Das wäre noch nicht das Problem. Erst später bekomme ich mit, dass ober der Türe und ober der Badezimmerzelle, keine Wände sind und so hört man die Nachbarn und die Geräusche der Herberge und Bar voll im Zimmer. Wir werden sehen, wie das des Abends sein wird. Zur Not schlafe ich heute auch wieder mit den Ohrstöpseln.

So liebe Freunde, nun verabschiedet sich Euer etwas angeschlagener Pilger Walter für heute von Euch. Ich hoffe, das mein Knieproblem sich nicht verschlechtert und ich meinen JW mit voller Energie fertig gehen kann.
Nur mehr 20 Tage!
Euer Pilger Walter

Donnerstag, 1. September 2011

Ein spanisches Fest

Liebe Pilgersfreunde!
Es ist heute für mich ein sehr guter Tag, mit fröhlichem Herzen. Obwohl auch die letzten Tage gute Tage für mich Pilger waren, die guten Zimmer taten auch ihre Wirkung, spürte ich heute beim Weggehen, heute passt alles.
Diese innerliche Zufriedenheit und äusserliche Fröhlichkeit habe ich den ganzen Gehtag mitgenommen und ich glaube, viele am Weg habe ich mit meinem fröhlichen Gruß mit lachendem Gesicht, einen heiteren Moment bereiten können.
Diese fröhliche Stimmung kam wie geplant, denn in meinem Etappenort Belorado beginnt jetzt gerade (13h) ein 4-tägiges Fest und da ist rundherum spanische Fröhlichkeit und Feierstimmung. Ich sitze hier mitten an der Plaza Major bei einem großen Bier mit leckeren Tapas und genieße dieses Treiben. Gerade bekomme ich die 3,50 Euro für mein Bier zurück, dass ist für mich heute gratis! Jakobus, du schaust auf mich - Danke!
Diesen Bericht schreibe ich während des Schauens, Hörens und des Biertrinkens.
Wie sich dann dieses festliche Treiben in meinem Zimmer und beim Schlaf auswirken werden (ich wohne nur 2 Ecken und 200m weiter), wird man ja sehen. Aber gegen eine solche Störung habe ich keine Allergie. Ich habe ein schönes Zimmer in einer netten Pension um 25€ bekommen und der Besitzer, ein Spanier, spricht sehr gut deutsch.

Heute finde ich endlich zwei offene Kirchen und bin sehr froh darüber. Die Kirche in Granon ist ein kleines Schatzkästchen. Bemerkenswert ist das romanische Taufbecken, welches stimmungsvoll von einem Kranz Bodenstrahlern beleuchtet wird und das wirkt in der dunklen Kirche sehr mystisch.

An der Grenze von Rioja nach Kastilien, treffe ich auf 3 Damen und fröhlich wünsche ich wie immer Buenos dias und Buen camino und bin schon am flotten Weitergehen. Da höre ich eine der Damen im bundesdeutschen Dialekt sagen: "Der hat aber einen flotten Schritt drauf". Ich bleibe stehen und grüße nochmals, nun auf deutsch oder besser gesagt auf gut steirisch. Sie kommen aus Norddeutschland und auf deren Frage meiner Herkunft, sage ich stolz, aus Österreich und das direkt. Da meint eine Dame, woher aus Österreich? "Na, aus der schönen Steiermark." Und von wo in der Stmk? "Aus Leoben!" kommt es aus meiner stolzen Brust.
Da meint sie, dort war sie auch schon, denn ihre Schwägerin wohnt in Kalwang und deren Schwester in Leoben. So ein Zufall - die Welt ist klein.
Nun soll ich die Leobener Sepp und Gerda, sie ist aus Kalwang und ihre Schwester hat eine Schwägerin in Norddeutschland (kommt Ihr noch mit?), recht herzlich vom JW grüßen, was ich somit gerne tue.

Seit Santo Domingo ist es mit der Weinzeit, dem Weinanbau, zu Ende. Nun dominieren wieder die braunen Getreidefelder und der Anbau von Gemüse und anderen Feldfrüchten.

In einem kleinen Ort, der Name tut nichts zur Sache, wollte ich Rast halten und will die einzige Bar im Ort ansteuern, doch sie liegt Tür an Tür bei einer Herberge der besonderen Art. Die dortigen Hospitaleras bieten ein besonderes Service an, aber ohne Pilgerrabatt. Auch das "Schlafen" wäre in diesem Club höchstens im Stundenbereich möglich!!! So ziehe ich lieber hungrig und durstig weiter und brauche keine weiteren Sünden am JW abbüßen.
Aber anscheinend muss am JW dafür ein Bedarf sein, denn die Umgebung hat sicher nicht soviele verwöhnungsbedürftige "Pilger".

Nun wird die Landschaft ausschließlich von abgeernteten und strohbraunen Gedreidestoppelfeldern geprägt. Es ist eine hügelige Landschaft mit einem ganz besonderen Reiz, der bei bestimmter Sonnenbestrahlung richtig zur Geltung kommt.

Meine Uhr zeigt mir heute den 1.September an und das ist ein besonderes Datum. Mit heute bin ich genau drei Monate unterwegs und in diesem Monat werde ich nach langen Wochen des Gehens, mit Gottes Segen und Jakobus Hilfe, mein Ziel erreichen und auch wieder nach Hause kommen.
Der 1. September ist und war für mich auch ein besonderes Datum. Heute feiert meine ehemalige Betriebsstelle und deren Mitarbeiter den 20. Geburtstag. Da denke ich gerne an meine Mitstreiter der ersten Stunde, an Ulf, Erich und Sigi und wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch viele Jahre erfolgreiches Wirken. Ich freue mich schon auf die Feier am 29. September, gleich wenn ich wieder zu Hause bin.

So liebe Freunde, Euer Pilger Walter zieht sich jetzt, nach dem Festauftakt und wo sich die Feiernden über den Ort verteilen, wieder seiner Herberge zurück. Die Wäsche und der Pilger selbst, gehören gewaschen und dann empfiehlt es sich, wenn möglich, etwas vorauszuschlafen. Aber vorher mische ich mich noch kurz ins festliche Treiben, denn die Musikgruppen und Tänzer sind von ihrem Rundgang zurück gekommen.
Wenn Ihr morgen nichts von mir hört, dann sucht mich irgendwo in diesem fröhlichen Treiben.
Euer Pilger Walter